• Lieder aus dem Gesangbuch der EmK (EM) bzw. Himmelweit (HW).
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Eingangsmusik

Teleman A-Dur, Largo. Thea und Georg Hölscher, EmK Salzburg

Einführung

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Liebe Schwestern und Brüder, 
an vielen verschiedenen Orten zu Hause,
wir feiern heute, getrennt, aber doch vereint.

Wir feiern im Namen des dreieinen Gottes:
Gott, der Vater, der uns mit seinem Frieden beschenkt.
Gott, der Sohn, der in Jerusalem eingezogen ist und auch in unsere Herzen einzieht.
Gott, der Heilige Geist, die Kraft, die unsere Herzen dazu bereitmacht und uns mit dir verbindet. Amen.

Heute ist Palmsonntag. Mit diesem Tag beginnt die besondere Woche, wo wir Jesus auf seinem Weg nach Golgatha, an den Ort seiner Kreuzigung begleiten. Der Beginn ist festlich und fröhlich. Menschen erwarten Jesus in den Straßen von Jerusalem, eine Volksmenge, dicht gedrängt. Das Ende ist einsam. Jesus stirbt am Kreuz, verlassen und verraten. Keiner seiner Jünger ist bei ihm. Nur die Frauen, die ihn begleitet haben, schauen von ferne.

Es ist nicht leicht, diese Spannung auszuhalten. Aber sie gehört zum Leben, so wie wir in dieser Zeit manche Spannung auszuhalten haben.
Im Brief an die Philipper schildert der Apostel Paulus den Weg Jesu. Auch dieser Weg umfasst eine große Spannung: vom Himmel zur Erde und wieder zurück; von der Gemeinschaft beim himmlischen Vater zu den Menschen, wie wir sie sind; aber auch vom Kreuz zurück zu Gott, an seine Seite.

Lesung Philipper 2,5-11 (EM 728)

Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Der Palmsonntag steht am Beginn der Karwoche und wir bereiten uns damit auf das Fest von Ostern vor, so wie mit der Adventszeit auf das Fest von Weihnachten tun. Der Einzug Jesu in Jerusalem erinnert uns auch daran, wie Jesus als Kind in diese Welt gekommen ist. Wenn uns heute einige der ausgewählten Lieder in weihnachtlich stimmen, dann drückt das diese Verbindung aus, die zwischen Palmsonntag und dem Advent besteht. Denn es geht darum, dass Jesus in unsere Herzen, Wohnungen und Häuser einzieht.

Lied 147,1.2.4.5 „Wie soll ich dich empfangen“ (Musikvideo)

Gebet

Treuer und lebendiger Gott,
die Menschen begegnen Jesus beim Einzug in Jerusalem. Sie freuen sich ihn zu sehen. Sie jubeln ihm zu. Doch ein anderer Weg ist für ihn vorgesehen: der Weg ins Leiden; der Weg ans Kreuz; der Weg in den Tod.

Lass uns diesen Weg als einen Weg sehen, der sich in nichts von unseren Wegen unterscheidet. Du bist nicht als Held in unsere Welt gekommen, sondern als einer, der alle Wege mit uns geht. Du kennst die Einsamkeit genauso wie das Zusammenleben, wo man sich gegenseitig auf die Nerven geht. Du kennst die Ängste um Menschen, die uns lieb sind genauso wie die Existenzsorgen, wenn das Geld knapp wird. Du weißt um unsere Befürchtungen, wie alles noch werden wird und unsere Bedenken, welche Nöte noch auf uns zukommen werden. Lass uns in all dem nicht allein!

Jesus ist diesen Weg mit uns und für uns gegangen. Darum wollen wir ihn als unseren Herr und König anerkennen und ihm dienen mit unseren Herzen, mit unseren Händen und mit unserem Mund. Amen.

Lied EM 301,1-3 „Jesus Christus, König und Herr“ (Musikvideo)

Einführung in die Lesung aus dem Alten Testament

Nun sind es drei Wochen, dass wir mit den Einschränkungen unseres Alltags zu leben haben. Vielleicht sind die einen oder anderen inzwischen müde geworden, sich an all die Vorschriften zu halten. Oder es fällt uns schwer, aufmunternde und ermutigende Worte für andere zu finden.

„Mit den Müden zu rechter Zeit zu reden“, dazu wird der namentlich unbekannte Knecht Gottes ermutigt und von Gott mit den nötigen Gaben dazu beschenkt:

+ Jesaja 50,4-9a

Der Knecht Gottes im Leiden

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.   
Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.  
Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde.  
Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir!  
Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?

Lied EM 614,1-5 „Er weckt mich alle Morgen“ (Musikvideo)

+ Evangelium Matthäus 21,1-11

Jesu Einzug in Jerusalem
1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus  
2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden
und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!  
3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht:
Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.  
4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):  
5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir
sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«

6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,  
7 und brachten die Eselin und das Füllen
und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf.  
8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg;
andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.  
9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: 
Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
Hosianna in der Höhe!

10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte:
Wer ist der?  
11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Lied EM 152 „Tochter Zion“ (Musikvideo)

+ Predigt von Pastor Helmut Nausner, Wien

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute, am Palmsonntag, feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Sonntag hat den Namen bekommen, weil die Menge, die Jesus beim Einzug in Jerusalem begleitet hatte, Palmzweige abgebrochen hatte und diese auf den Weg legten oder einfach damit wedelten. Die Jünger hatten zuvor ihre Kleider auf den Esel gelegt und Jesus hatte sich draufgesetzt. Und die Menge rief: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!“ Die Stadt Jerusalem geriet in große Erregung und man fragte: Wer ist der? Und die Menge antwortete: „Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.“ Eine einfache und berührende Geschichte. Was sagt sie uns?

Halten wir zunächst fest. Die Initiative geht von Jesus aus. Das Ganze passiert nicht einfach so, zufällig. Jesus will es. Er nähert sich Jerusalem und schickt zwei seiner Jünger voraus, um den Esel zu finden und zu ihm zu bringen. Jesus setzt sich auf den Esel. Eine symbolische Handlung. Indem Jesus sich auf den Esel setzt, werden Bilder lebendig. Hat Jesus an den Satz des Propheten Sacharja gedacht: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig, und reitet auf einem Esel…“ (Sach 9,9) Haben die vielen Menschen, die ihn begleitet haben, an diese Aussage des Propheten gedacht? Haben die Jünger daran gedacht? Vielleicht. Der Evangelist gibt darüber keine Auskunft, aber beim Schreiben des Evangeliums ist dem Evangelisten das bewusst geworden. Er hält fest: Hier ist etwas in Erfüllung gegangen. Gedanken und Bilder von einem kommenden König und Messias hingen damals in der Luft. Wer auf einem Esel reitet, kommt in friedlicher Absicht. Wer Macht und Gewalt zeigen will, besteigt ein Schlachtross. Jesus lässt die Menschen rufen. Er korrigiert sie nicht. Aber wer „Sohn Davids“ sagt, spricht eine politische Erwartung aus. Und die anderen Evangelisten überliefern Aussagen wie: „Gelobt sei, der da kommt, der König“ (Lukas) und „Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt“ (Markus) und Johannes schreibt vom „König von Israel“. Wer immer in Gemeinschaft mit Gott lebt und einen Auftrag von Gott erhält, hat eine politische Verantwortung. So hat sich John Wesley sein Leben lang (das ist nur ein Beispiel aus seinem Leben) öffentlich gegen den Sklavenhandel ausgesprochen und noch einige Tage vor seinem Tod einen Brief an ein Mitglied des Parlaments (William Wilberforce) geschrieben und ihn ermutigt, in seinem Bemühen, den Sklavenhandel zu verbieten, nicht nachzulassen. 

Indem nun Matthäus den Propheten Sacharja zitiert, macht er deutlich, dass die Schrift die gegenwärtige Situation erhellt und verständlich macht. Aber die Schrift hilft nicht nur die Gegenwart zu verstehen, sondern öffnet auch die Zukunft und lässt die Konsequenzen erahnen, die aus bestimmten Entscheidungen und Verhaltensweisen folgen. Das galt damals zur Zeit Jesu und das gilt auch heute. Wer mit der Schrift lebt, sieht genauer und durchschaut Täuschungsmanöver der Mächtigen und erhält den Mut, Lüge als Lüge zu bezeichnen. Manchmal ist das lebensgefährlich. Dafür gibt es viele Beispiele in der Geschichte Europas.

Und was macht Jesus nach seinem Einzug in Jerusalem? Sammelt er Soldaten und hortet Waffen, um sein Reich aufzurichten? Nein, er geht in den Tempel und verjagt die Wechsler und Tierhändler. „Es steht geschrieben“ ruft er, „mein Haus soll ein Bethaus heißen“; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. Dafür lässt er die Blinden und Lahmen und die Kinder in den Tempel. Sie hatten damals keine Erlaubnis, den Tempelbereich zu betreten, weil sie als unrein galten. Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass in seinem Reich alle einen Platz haben, die Kranken, die Behinderten, die Fremden und die Kinder. Niemand wird ausgeschlossen. Und er heilte sie, sagt Matthäus! Das müssen wir uns als einzelne Christen und Kirchen immer von Neuem zu Herzen nehmen. Die Kirche Jesu Christi muss ein Platz sein, der offen ist für alle: Schwarze, Weiße, Braune, Gelbe, Arme, Reiche, Klug und weniger Kluge.

Hier möchte ich anmerken, dass der Evangelist Markus von keiner Tempelreinigung berichtet und der Evangelist Johannes sich die Freiheit nimmt, die Tempelreinigung an den Beginn seiner Tätigkeit zu setzen, um damit anzudeuten, dass die Tempelreinigung nicht nur für die wenigen Tage nach seinem Einzug in Jerusalem gilt, sondern sein ganzes Leben bestimmt. „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“

In den Tagen nach seinem Einzug in Jerusalem geht Jesus in den Tempel und lehrt. Er erzählt Gleichnisse und er lässt sich mit den religiösen Führern auf Gespräche ein über die Steuer an den Kaiser, über die Auferstehung, über das höchste Gebot. Alle sind von seinen Antworten überrascht und staunen. Aber er übt auch Kritik an denen, die auf persönliche Vorteile und Ehrentitel aus sind. Jesu Antwort an seine Jünger und dann auch an alle: Wer groß sein will, soll zum Dienst für alle bereit sein. „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer von euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.“ (Mt 20,26-27) In solcher grundsätzlichen Dienstbereitschaft wurzelt jede wahre Autorität. Jesus hat das selber vorgelebt.

In seinem Reich gilt eine neue Gesellschaftsordnung. Jesus etabliert keine Hierarchie, kein oben und unten, sondern stiftet eine Gesellschaft der Geschwisterlichkeit. Über uns ist nur Gott, Herr und Schöpfer von Himmel und Erde; wir, seine Menschen, sind Schwestern und Brüder: „…ihr aber seid alle Brüder“ (23,8), sagt Jesus. 

Im Laufe der Geschichte hat sich die Kirche doch mehr an den hierarchischen Modellen dieser Welt orientiert als am Beispiel Jesu. Das hat zu vielen Konflikten geführt bis hin zu Religionskriegen. Alle diese Aktionen, bestimmt vom Streben nach Macht und Einfluss, haben keinen Frieden gebracht, sondern vielmehr Feindschaften vertieft. Jedes Land in Europa hat seine eigene dunkle Geschichte. Die ökumenische Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen hat, hat eine tiefgreifende Veränderung bewirkt. Kirchen kämpfen nicht mehr gegeneinander, sondern bereichern sich gegenseitig und fördern einander. Alle Kirchen haben sich verändert und bemühen sich, langsam aber doch, mehr und mehr dem Beispiel Jesu zu folgen. Das ist ein Hoffnungszeichen.

Wir denken an diesem Sonntag an den Einzug Jesu in Jerusalem. Jetzt ist es wichtig, dass er auch Einzug hält in unser Leben und uns zu Menschen macht, die Frieden schaffen und zu Hoffnung und Liebe ermutigen. Dass wir uns seine Lehre zu Herzen nehmen, immer mehr in seine Gesinnung hineinwachsen und wandeln wie er gewandelt ist. Amen.

Lied EM 559 „Jeder Schritt auf dieser Erde“ (Musikvideo)

+ Gebet mit Fürbitten

Gott der Hoffnung, wir rufen dich an!
Wir beten für Menschen, die Angst davor haben krank zu werden.
Wir beten für Menschen, die sich um ihre Lieben sorgen.
Wir beten für Menschen, die vor den Reaktionen anderer zurückschrecken.
Schenke uns deinen Geist des Friedens, damit wir ruhig werden und deinen Frieden in unseren Herzen empfangen.

Wir bitten für deine Kirche, in dieser Zeit der Unsicherheit:
Wir beten für Menschen, denen das Feiern von Gottesdiensten in Gemeinschaft fehlt.
Wir beten für Menschen, die Entscheidungen zu treffen haben, um für andere zu sorgen.
Wir beten für Menschen, die die Einsamkeit noch mehr spüren als sonst.
Schenke uns deinen Geist der Weisheit, damit gute Entscheidungen getroffen werden, zum Wohl der Menschen und zum Wohl dieser Erde.

Heiliger Gott, wir erinnern uns, dass du uns versprochen hast: Nichts soll uns trennen von deiner Liebe.
In Jesus Christus hast du uns das gezeigt. So wie er seinen Weg gegangen ist, um uns zu retten, so wollen wir für andere Menschen da sein, um ihnen zu helfen.
Auf dich wollen wir schauen, darum wenden wir unsere Augen, unsere Herzen und unseren Geist dir zu. Amen.

Dieses Gebet geht zurück auf ein Gebet der britischen Methodistenkirche

Vater Unser

+ Kollekte

Die Kollekte kann beiseite gelegt werden, bis wir wieder einen Gottesdienst feiern können. Sie kann aber auch auf das Konto der Gemeinde überwiesen werden. Die Kontonummer der jeweiligen Gemeinde findet sich im Gemeindebrief jeder Gemeinde

+ Dankgebet

Guter Gott, trotz Krise und Einschränkungen erfahren wir auch Zuspruch, Ermunterung und Fürsorge. Dafür danken wir dir. Du lässt uns nicht allein. Das zu wissen tröstet uns.

Lied EM 503 „Komm, Herr, segne uns“ (Musikvideo)

+ Segen

Geht hin in Frieden!
Seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!
Amen.

Musik

Teleman A-Dur, Allegro. Thea und Georg Hölscher, EmK Salzburg

Die Lesungen sind entnommen aus der Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart