• Lieder aus dem Gesangbuch der EmK (EM) bzw. Himmelweit (HW).
  • Grau hinterlegte Textangaben können durch anklicken eingeblendet werden. Alternativ kann die eigene Bibel verwendet werden.

Ostergottesdienst

Eingangsmusik – Joseph Haydn, Menuett (Nozomi Yoshizawa-Kempf, EmK Wien)

Eröffnung mit dem Ostergruß

Christus ist Auferstanden! Er ist wahrhaftig Auferstanden!
(In einer Hausgemeinschaft grüßen sich die Anwesenden mit diesem Ostergruß! Wer alleine feiert, kann jemanden anrufen und den Ostergruß auf diese Weise austauschen.)

Lied EM 224 „Christ, der Herr, ist Auferstanden“ (Musikvideo)

Begrüßung

Wir feiern heute das zentrale Fest unseres Glaubens: Christus ist auferstanden!
In Jesus Christus ist Gott in dieser Welt sichtbar geworden. In ihm hat Gott menschliche Gestalt angenommen. In Jesus hat er uns seine unendliche Liebe gezeigt.
Viele haben auf Jesus ihre Hoffnung gesetzt: Arme, Schwache, Kranke, Sünder*innen und Ausgegrenzte.
Anderen ist Jesus zum Stein des Anstoßes geworden, und die Mächtigen wollten, dass er für immer schweigt.
Darum haben sie Jesus am Karfreitag ans Kreuz geschlagen, und er starb.
Doch Gott hat ihn nicht dem Tod überlassen. Gott hat den Tod überwunden. Am Ostermorgen hören wir, dass Gottes Liebe siegt!

Es ist ungewohnt für uns, dieses Fest nicht gemeinsam zu feiern. Die gemeinsame Feier ist uns derzeit verwehrt, und so feiern wir im kleinsten Kreisen, die meisten von uns in ihrer Wohnung oder ihrem Haus.

Dennoch sind wir gewiss: Gott ist mitten unter uns. Am Ostermorgen werden die ersten Zeuginnen der Auferstehung aufgefordert: geht zurück nach Galiläa – geht wieder zurück nach Hause. Dort werdet ihr Jesus finden, er geht euch voran. Ihr findet Jesus da, wo ihr lebt!

In dieser Zuversicht feiern wir diesen Gottesdienst. Gott ist mit uns – von unserem Anfang bis zu unserem Ende. Auch in unserem Haus!

Lied „Vom Anfang bis zum Ende“ (Musikvideo)

Gebet mit Refrain von Lied 15 „Lobe den Herrn“ (Musikvideo)

Guter Gott, wir danken dir für diesen Ostermorgen!
Wir danken dir, dass wir Ostern in Gemeinschaft feiern können auch wenn es ganz anders ist, als wir das all die Jahre gewöhnt waren. Aber das ist das Schöne und der Grund unserer Freude, dass Ostern nicht abgesagt ist. Nein im Gegenteil, du bist da und wir sind da. Halleluja!
Gemeinsam wollen wir uns jetzt einlassen auf diesen Gottesdienst. 
Wir bitten dich: Lass uns alle Sorgen und alle unerledigten Arbeit jetzt für diese Stunde beiseite stellen. Hilf uns jetzt Hörende und Empfangende zu werden. 
Guter Vater, dir vertrauen wir uns an.

Jesus, was für eine Freude, dich lebendig vor Augen zu haben!
Wir feiern heute das Osterfest und denken und danken für deine Hingabe am Kreuz, deinen Tod aber heute eben besonders für deine Auferstehung. Du hast den Tod überwunden und uns gerettet aus der Macht der Sünde. Wie – o Heiland – können wir das angemessen in Worte fassen? Jesus, wir bekennen: Wir können diese übergroße Dankbarkeit nicht in Worte kleiden, es geht nicht, dafür ist unsere Erdensprache nicht gemacht. Aber wir bitten und hoffen, dass du hörst, was unser Herz dir sagen möchte. 
Dich, Jesus, beten wir an.

Und so bitten wir dich, Heilige Geistkraft, dass du uns hilfst und zum Klingen bringst, was wir weder sagen noch aussprechen können, denn Jesus ist heute für uns zum Eckstein geworden.
Schenke uns, Heilige Geistkraft, dass wir uns besinnen und sammeln können und dass wir deine göttliche Nähe spüren und erfahren.
Dreieiniger Gott wir bitten dich: Lass uns alle jetzt in diesem Gottesdienst erfahren, dass du in unserer Mitte bist und wir verbunden sind untereinander und mit dir.
Du hältst, nährst und bewahrst uns in großer Treue, dafür sei dir Dank, Lob und Anbetung. Jetzt und in Ewigkeit.
Amen

+ Psalm 118

Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!
Die Rechte des HERRN ist erhöht;
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des HERRN Werke verkündigen.
Der HERR züchtigt mich schwer;
aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.
Das ist das Tor des HERRN;
die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast
und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom HERRN geschehen
und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

Lied EM 20 „All die Fülle ist in dir“ (Musikvideo)

+ Evangelium Markus 16,1-8

1 Als der Sabbat vorbei war,
kauften Maria aus Magdala,
Maria, die Mutter von Jakobus,
und Salome duftende Öle.
Sie wollten die Totensalbung vornehmen.
2 Ganz früh am ersten Wochentag
kamen sie zum Grab.
Die Sonne ging gerade auf.
3 Unterwegs fragten sie sich:
»Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?«
4 Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie,
dass der große, schwere Stein schon weggerollt war.
5 Sie gingen in die Grabkammer hinein.
Dort sahen sie einen jungen Mann
auf der rechten Seite sitzen,
der ein weißes Gewand trug.
Die Frauen erschraken sehr.
6 Aber er sagte zu ihnen:
»Ihr braucht nicht zu erschrecken.
Ihr sucht Jesus aus Nazaret,
der gekreuzigt worden ist.
Gott hat ihn vom Tod auferweckt,
er ist nicht hier.
Seht, da ist die Stelle,
wo sie ihn hingelegt hatten.
7 Macht euch auf!
Sagt es seinen Jüngern
und besonders Petrus:
Jesus geht euch nach Galiläa voraus.
Dort werdet ihr ihn sehen,
wie er es euch gesagt hat.«
8 Da flohen die Frauen aus dem Grab
und liefen davon.
Sie zitterten vor Angst
und sagten niemandem etwas,
so sehr fürchteten sie sich.

Musik Händel „Ich weiß dass mein Erlöser lebt“ (Musikvideo)

+ Predigt von Pastor Stefan Schröckenfuchs

Liebe Schwestern und Brüder, 

Christus ist auferstanden! Welch ein Grund zur Freude! Vielleicht aber wart ihr ein wenig überrascht davon, dass in unserem Osterevangelium so wenig von dieser Freude zu spüren war. 

Im Gegenteil – das Evangelium endet damit, dass die Frauen verängstigt vom leeren Grab weg laufen – und erst einmal niemandem etwas von dem erzählen, was sie gerade erlebt haben. Die Ostergeschichte wird uns von den vier Evangelisten ja jeweils etwas anders erzählt. Ich habe mich in diesem Jahr durchaus bewusst für die Überlieferung des Evangelisten Markus entschieden. Das Markusevangelium ist das älteste der Evangelien. Es enthält vermutlich die ursprünglichste Variante der Auferstehungsbotschaft. Und seine einfache Erzählung spricht mich in diesem Jahr ganz besonders an.

Wenden wir uns dieser Geschichte von ihrem Anfang an zu. Sie beginnt mit einer Erfahrung, die viele von uns wohl gerade gut kennen. Es ist die Erfahrung, nichts tun zu können – oder zumindest Entscheidendes nicht tun zu können.

Zwei Nächte sind vergangen, seit Jesus gestorben ist. Markus erzählt, dass drei Frauen – Maria von Magdala, Maria die Mutter des Jakobus und Salome – Jesus auch in der Stunde seines Todes nicht verlassen haben. Die drei Frauen können dabei allerdings nur hilflos zusehen. Sie können für Jesus nichts tun.  

Als Jesus stirbt, muss alles plötzlich sehr schnell gehen. Josef von Arimathäa, ein Mann, der zum weiteren Jüngerkreis Jesu gehört hatte, sorgt noch am selben Nachmittag für ein hastiges Begräbnis. Denn der Tag nach Jesu Hinrichtung war ein Sabbat. Und am Sabbat muss die Sabbatruhe eingehalten werden – da kann man für die Toten nichts tun. Auch hier können die drei Frauen nur zusehen, wie man Jesus in ein Grab legte. Und am folgenden Sabbat können sie ebenso nur tatenlos abwarten. Sie können nichts tun. 

Als sie am Morgen darauf endlich das Haus verlassen dürfen, ist es eigentlich schon zu spät. Sie hatten keine Zeit für eine angemessene Trauer. Es war kein Platz für einen angemessenen Abschied. Alles, was sie jetzt noch tun können, ist Jesus nachträglich die letzte Ehre zu erweisen.

Wie schwer es fällt, etwas, wonach es mich von Herzen verlangt, nicht tun zu können, können derzeit wohl viele von uns gut nachvollziehen. Abstand zu halten, sich nicht umarmen, das Haus nicht zu verlassen – all das ist inzwischen geradezu zur heiligen Pflicht geworden. Vieles, wonach es uns von Herzen verlangt, ist in dieser Zeit nicht möglich.  Nach Wochen des „Social Distancing“ können wir verstehen, was es für diese Frauen bedeutet hat, tatenlos zusehen zu müssen wie Jesus stirbt, und wie er hastig begraben wird. Wir verstehen was es heißt, nicht dem Impuls der Liebe folgen zu können, die sie treibt.Und so verwundert es nicht, dass sie sich schon beim ersten Morgengrauen – bei der erstmöglichen Gelegenheit – aufmachen, um wenigstens jetzt dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. 

Doch sie sind noch nicht einmal am Grab angekommen, da wird ihnen bewusst: vor uns liegt ein weiteres, unüberwindbares Hindernis. Denn vor dem Grab ist ein großer, sehr schwerer Stein, der die Grabkammer verschließt. Und die eigene Kraft reicht nicht aus, ihn wegzurollen. Wieder ist der Weg zu ihrem Ziel von einer schier unüberwindbaren Hürde versperrt. 

Auch das ist eine Erfahrung, die heute viele kennen: wir wollen oder müssen etwas dringend tun. Doch der Weg ist versperrt von allen möglichen Hindernissen; und die Kraft reicht nicht aus, sie zu überwinden. Manche fragen sich, wie sie jetzt finanziell über die Runden kommen sollen. Andere fragen sich, wie sie den Alltag zwischen Homeoffice und Home-Schooling überstehen sollen. Dritte fragen sich, wie sie es aushalten sollen, dass sie allein herum sitzen müssen und nicht ihren Kindern oder Enkeln helfen können.Manche müssen abwägen, ob sie ihren Job weiter ausüben sollen, um anderen zu helfen, oder es lassen sollen, um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Andere sollten übersiedeln, wollten heiraten oder haben einen schmerzenden Zahn … …und bei all diesen und weiteren – normalerweise bewältigbaren – Dingen stoßen wir derzeit oft auf unüberwindbare Hürden, sodass einem schon manches Mal der Mut sinkt.

So geht es den Frauen. Sie wollen Jesus noch einmal etwas Gutes tun. Aber auf ihrem Weg liegt ein schwerer, unüberwindbarer Stein. Doch in ihrem Fall ist der Stein selbst eigentlich das geringere Problem. Er steht geradezu symbolisch für eine noch größere Barriere. Was die Frauen wollen, ist Jesus noch einmal ihre Liebe zu zeigen. Doch die eigentliche Hürde, die sie daran hindert, ist nicht der Stein – es ist der Tod. 

Der Tod ist jene endgültige Barriere, die uns Lebenden von den Verstorbenen trennt. Und diese Barriere kann ich nicht einfach mit „Manpower“ beiseite rücken wie einen Stein. Die Hürde des Todes bleibt wie sie ist – wir können über dieser Schwelle einfach nicht hin und her. 

Doch an diesem einen Morgen ist alles ganz anders. Am Ostermorgen ist der Stein schon beiseite gerückt, der Weg ins Grab ist nicht versperrt. Und es ist so, als dürften die Frauen nicht nur einen Blick in die Grabkammer werfen – sondern sie werfen einen kleinen Blick in die Welt, die sich hinter dieser Grenze verbirgt. 

Doch was die Frauen sehen, ist für sie zunächst einmal ein Schock. Denn die Grabkammer ist leer. Der Tote ruht nicht an dem ihm zugewiesenen Ort. Und anstelle eines Leichnams sehen die Frauen „einen jungen Mann in einem weißen Gewand“. Markus verwendet hier ein für seine Leser*innen geläufiges Bild für einen Boten aus Gottes Welt. Der Bote sitzt auf der rechten Seite – das macht deutlich: er hat eine besondere Autorität. Und dieser Bote spricht die Frauen ganz unvermittelt an und sagt: „Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist.“ Und ebenso ungefragt ergänzt er: Gott hat ihn vom Tod auferweckt, darum ist er nicht hier.

Die Suche der Frauen endet in diesem Moment also mit der Antwort: ihr sucht schlichtweg am falschen Ort. Der Tote Jesus ruht nicht einfach dort, wo ihr ihn verwahrt habt. 

Ich frage mich: was kann das eigentlich für uns wirklich heißen? Meine Gedanken dazu gehen in zwei Richtungen. Die erste Überlegung ist eher allgemein. Wenn ich einen geliebten Menschen verliere, ist es für mich wichtig zu wissen, wo er begraben liegt. Wie viele andere Menschen suche ich immer wieder das Grab von Menschen auf, die ich liebe und vermisse, weil sie gestorben sind. Und es ist gut, dass ich weiß, wo diese Menschen begraben sind. Weil ich als Mensch einen Ort für meine Trauer und für meine Erinnerung brauche. Und dennoch konfrontiert uns der Bote Gottes mit der Botschaft: du findest den, den du durch den Tod verloren hast, nicht in seinem Grab. Das Grab ist ein Erinnerungsort. Und was dort begraben ist, ist eine sterbliche Hülle. Das, was den von uns geliebten Menschen ausmacht, bleibt aber nicht im Grab. Denn was uns als lebendigen Menschen und Kind Gottes ausmacht, gehört untrennbar zu Gott. 

In diesem Sinne ist jedes Grab eigentlich leer. Es ist die Ruhestätte der sterblichen Hülle. Doch was den Menschen ausmacht, gehört aber – immer schon – zu Gott. Und weil Gott selbst die Liebe ist, bleiben wir, wenn wir lieben, durch Gott auch mit denen verbunden, die wir lieben. Ein Grab kann uns helfen, uns zu erinnern, es kann der Ort unserer Trauer sein. Doch es ist nicht der Ort, an dem die Toten selbst zu suchen sind. Sie sind bei Gott. Und wenn wir sie lieben, sind sie durch Gottes Liebe in unserem Herzen. „Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier.“, sagt der Bote Gottes den Frauen. Ich denke, dies gilt an jedem Grab. 

Doch dann sagt der Bote Gottes auch noch etwas anderes. Er sagt den Frauen: „Macht euch auf! Bleibt nicht hier am Grab stehen. Sagt es den anderen weiter: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“

Und das  führt mich zu meinem zweiten Gedanken: Die Frauen kommen eigentlich ans Grab, um Jesus dort die letzte Ehre zu erweisen. Doch um Jesus die Ehre zu erweisen sind sie am falschen Ort. Der Friedhof ist nicht der Ort, wo man Jesus die Ehre erweist! 

„Geht zurück nach Galiläa“, sagt der Bote. Galiläa, das ist der Ort, an dem für die Jünger alles begann. Galiläa, das ist ihre Heimat. 

Geht zurück in eure Heimat. Geht nach Hause, zu euren Familien, geht zurück in euren Alltag. Das ist der Ort, wo ihr Jesus begegnen werdet. Und das ist auch der Ort, wo ihr ihm die Ehre erweisen könnt! Erweist Jesus die Ehre, indem ihr euer Leben lebt, indem ihr Jesus in eurem Alltag sucht, indem ihr ihm in euren täglichen Handeln dient! 

Ich muss sagen: ich verstehe, dass die Frauen zuerst einmal völlig verstört und erschüttert sind.  Denn es ist ja wirklich alles anders, als sie es erwarten. Das Grab ist zwar nicht verschlossen, aber es ist leer. Der geliebte Mensch ist nicht da, wo sie ihn suchen. Und statt ihrer Trauer am Grab Ausdruck verleihen zu können werden sie weggeschickt – zurück in den Alltag, zurück ins Leben. Genau dort sollen sie Jesus die Ehre erweisen und dort können sie mit seiner Gegenwart rechnen. 

Die Botschaft der Auferstehung ist so gesehen nicht nur Zuspruch, sie ist auch eine Zumutung: Gottes Bote mutet den Frauen zu: Nehmt auch nach diesem Verlust euer Leben wieder in die Hand! Bleibt nicht in eurer Trauer gefangen! Glaubt nicht, ihr würdet Gott oder dem Verstorbenen einen Gefallen tun, wenn ihr euch nur an das Vergangene haltet. Im Johannesevangelium wird es in einem Dialog zwischen Jesus und Maria von Magdala noch viel harscher ausgedrückt. Da heißt es, dass der auferstandene Jesus ganz direkt zu Maria sagt: „Halt mich nicht fest.“

Doch ist diese Zumutung nicht ohne Verheißung; im Gegenteil! Der Auftrag „Geh zurück nach Galiläa, geh zurück in deine Lebenswelt. Nimm dein Leben wieder in Angriff!“ birgt den Zuspruch: da, wo wir unser Leben leben, verspricht uns Gott: ich bin da! Und indem wir unser Leben wirklich leben, erweisen wir Jesus die Ehre! 

Als Menschen, die sich von Ostern berühren lassen, sind wir aufgerufen, auch angesichts des Todes unser Leben zu leben, und Gott in unserem Alltag zu dienen! Denn das ist die Hoffnung von Ostern – dass Gott alle Grenzen überwindet.  

Auferstehung heißt nicht nur, dass irgendwann nach Corona das Leben wieder normal wird.
Es heißt nicht nur, dass wir irgendwann wieder ohne Masken einkaufen dürfen. Oder dass irgendwann wieder die Schule beginnt und wir unsere Verwandten wieder besuchen.
All das wird selbstverständlich wieder irgendwann einmal so sein – auch wenn wir bis dahin noch einiges an Geduld brauchen werden.
Aber die Hoffnung von Ostern reicht viel weiter! Die Hoffnung von Ostern sagt uns, dass die Gräber leer sind, weil Gott die Toten auferweckt. Die Hoffnung von Ostern sagt uns, dass die unüberwindbare Hürde zwischen Leben und Tod nicht endgültig ist, und Gottes Liebe beide Seiten miteinander verbindet. Die Hoffnung von Ostern sagt uns, dass wir das Leben wagen dürfen, auch wenn uns nach einem Verlust die Nähe eines Menschen fehlt.  Die Hoffnung von Ostern sagt uns, dass Gott nicht an Orte gebunden ist, und wir ihn in unserem Alltag begegnen können – auch jetzt. Und die Hoffnung von Ostern verspricht uns, dass wir auch selbst immer wieder neu beginnen dürfen. Weil Gott ein Gott der Neuanfänge ist, der bereit ist, auch mit uns immer wieder neu anzufangen.

Ja, wir leben derzeit in einer schwierigen Zeit. Aber lassen wir uns von diesem Wort der Hoffnung berühren. Jeder Stein, der uns heute unüberwindbar erscheint, wird von Gott überwunden.

Wir sind nicht ohne Hoffnung!
Christus ist auferstanden!
Seine Liebe gilt uns an jedem Ort!
Sie überwindet alle Grenzen!
Amen 

Lied EM 241 „Auferstanden ist der Herr“ (Musikvideo)

Nachapostolisches Glaubensbekenntnis nach Kurt Marti

Ich glaube an Gott,
der Liebe ist
den Schöpfer des Himmels und der Erde 

Ich glaube an Jesus,
sein Mensch gewordenes Wort,
den Messias der Bedrängten und Unterdrückten,
der das Reich Gotts verkündet hat
und gekreuzigt wurde deswegen,
ausgeliefert wie wir der Vernichtung des Todes,
aber am dritten Tag auferstanden,
um weiterzuwirken für unsere Befreiung,
bis dass Gott alles in allem sein wird. 

Ich glaube an den heiligen Geist,
der uns zu Mitstreitern des Auferstandenen macht,
zu Brüdern und Schwestern derer,
die für Gerechtigkeit kämpfen und leiden.
Ich glaube an die Gemeinschaft der weltweiten Kirche,
an die Vergebung der Sünden,
an den Frieden auf Erden, für den zu arbeiten Sinn hat,
und an eine Erfüllung des Lebens über unser Leben hinaus.

+ Gebet mit Fürbitten und Lied „Höre mein Gebet“

Musikvideo zu „Höre mein Gebet“

Gott der Auferstehung und des Lebens,
Unser Glaube an die Hoffnung von Ostern ist gestärkt.
Wir haben die frohe Botschaft gehört.
Auch uns sprichst du Mut zu, in unserem alltäglichen Leben nach Osterspuren zu suchen.
An diesem Osterfest, das wir nicht wie gewohnt in Kirchengebäuden feiern können, versprichst du auch uns, dass wir dich nicht in leeren Gebäuden suchen sollen,
sondern dass wir deine Gegenwart und Nähe auch in unserem Alltag spüren dürfen.
Wir bitten dich daher: stärke uns im Glauben, dass du immer bei uns bist.

Gott der Hoffnung und des Lebens,
Wir leben in ungewohnten Zeiten. Wir müssen uns mit neuen Herausforderungen auseinandersetzen. Unser Lebensstil wurde abrupt geändert. Und viele von uns können nur durch unser Nichts-Tun und Abstand-Halten sinnvoll etwas zur Verbesserung der Lage beitragen. Wir sehnen uns nach dem Leben – so wie wir es in Freiheit und Unbekümmertheit in diesem Land oft ausüben.
Wir beten heute besonders für Menschen, deren Leben immer stark eingeschränkt ist. Für Menschen, die sich nicht frei bewegen können, entweder aufgrund der schwierigen Situation in ihrem Heimatland, oder aufgrund eines Unfalls oder einer lebens-verändernden Krankheit. Du, Herr, machst uns frei.
Wir bitten dich daher: schenke uns Zeichen der Hoffnung auf ein neues Leben mit dir.

Gott der Freude und des Lebens,
Uns ist bewusst, wie sehr unsere momentane Situation zu ungewollten Spannungen führt – im eigenen Umfeld und auch in unserer Haltung gegenüber anderer Länder und Kulturen, die nicht so denken und handeln wie wir. Wir fühlen uns eingeengt und müssen lernen die Trauer über alles, was wir vermissen, zu überwinden.
Wir beten für alle, die unter der häuslichen Situation in dieser Zeit besonders leiden. Wir denken an Menschen, die momentan stärkere Gefahren oder größere Not erfahren. Wir denken an Flüchtlinge in überfüllten Lagern, die keine Möglichkeit haben, sich in Ruhe zurückzuziehen und die Gefahren des Virus auszuharren. Wir denken an Menschen, die sich einsam fühlen – ob zu Hause oder im Krankenhaus, oder gar auf dem Sterbebett. 
Du Herr, rückst den Stein unserer Angst zur Seite. Du kannst uns neue Wege zeigen und eine neue Perspektive geben. In dir ist Freude, trotz allem Leide!
Wir bitten dich daher: lass uns die Welt mit deinen Augen sehen und weise uns den Weg.
Amen.

Vater Unser

+ Kollekte

Ich mag die Art, wie wir üblicherweise in unseren Gottesdiensten die Dankgaben bzw. die Kollekte sammeln: Mit einem Körberl. Denn dabei wird uns schön vor Augen geführt, wie eine gute Gemeinschaft funktioniert: Jede und jeder gibt etwas und das Körberl wird voll. Wenn jemand einmal gerade wenig zu geben hat, ist das nicht schlimm. Eine Gemeinschaft, die bereit ist, einander Lasten zu tragen (vgl. Gal 6,2), gleicht Schwächen aus – auch meine eigenen Schwächen. So erweist sich eine Gemeinschaft, die getragen ist von Nächstenliebe, als tragfähig.
Derzeit können wir die Kollekten nur zu Hause für später auf die Seite legen oder sie überweisen. Die Kontonummern der Gemeinden finden sich im jeweiligen Gemeindebrief. Das Bild vom Körberl hilft uns dabei zu verstehen, warum jede Gabe wichtig ist: Damit wir als tragfähige Gemeinschaft aus dem Vollen schöpfen können.

+ Dankgebet

Jesus Christus, durch deine Auferstehung bist du unsere Hoffnung geworden. Wir sind dankbar für deine Liebe, die sich unter schwierigsten Umständen als tragfähig erwiesen hat. Gewalt, Leid und Tod gehören noch zu dieser Welt. Aber wir gehören ganz dir, du Gott des Lebens. Durch deinen Geist sind wir verbunden mit allen, die deinen Namen heute in österlicher Freude in die Welt rufen und singen. Wir preisen dich, ewiger dreieiner Gott und danken dir für deine alles überwindende Liebe!

Lied EM 554 „Geht Gottes Weg“

+ Segen

Geht hin in Frieden!
Seid nicht bekümmert;
denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!
Amen.

Musik Teleman Sonatine in E-Dur, Vivace. Thea und Georg Hölscher, EmK Salzburg


Die Lesungen sind entnommen aus der Basis Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart