• Lieder aus dem Gesangbuch der EmK (EM) bzw. Himmelweit (HW).
  • Grau hinterlegte Textangaben können durch anklicken eingeblendet werden. Alternativ kann die eigene Bibel verwendet werden.
  • Der Gottesdienst wird als zoom-Gottesdienst online gefeiert. Die Zugangsdaten sind wie üblich bei den Pastor*innen erhältlich.
Hier die Predigt vom Sonntag – Bildqualität ist mäßig, wir arbeiten daran… aber der Ton passt, und der Inhalt sowieso 🙂

Gottesdienstanleitung

Eingangsmusik

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied 603,1,9,10 „Die güldne Sonne“ (Musikvideo)

Begrüßung von Pastor Frank Moritz-Jauk

Ein herzlicher Gruß zum heutigen Gottesdienst! Wir feiern diesen Gottesdienst gemeinsam! Ob wir jetzt alle zusammen geschaltet sind im Zoom-Meeting oder ob wir den Gottesdienst im Kreis unserer Familie feiern, ob wir jetzt zeitlich oder räumlich getrennt sind, spielt nur eine Nebenrolle, denn Gott bringt uns zusammen. Auf Gottes sonntäglichen Ruf hören wir, Gott selbst ist unser Gastgeber.

Am heutigen Sonntag wollten wir mit den jungen Erwachsenen unserer Kirche einen Gottesdienst in Linz feiern, als Abschluss einer super (Frei)Zeit in Windischgarsten. Es ist schon interessant, ab und zu in den Kalender zu schauen und zu merken, was jetzt alles ganz anders ist als geplant. Aber weil wir das alles so geplant hatten, haben wir doch einige junge Erwachsene gebeten, sich aktiv an diesem Gottesdienst zu beteiligen.

Und so wollen wir uns jetzt gegenseitig den Frieden Gottes zusprechen. Das darf man ja immer noch. Und diejenigen, die jetzt zu Hause feiern und aus einem Haushalt stammen, dürfen sich auch berühren.

Lied 34,1 „Lob, Anbetung, Ruhm und Ehre“

Guter Gott, zu Beginn dieses Gottesdienstes wollen wir uns sammeln und innerlich zur Ruhe kommen. Alles was uns ablenkt oder gerade noch beschäftigt hat, stellen wir jetzt zur Seite. Auf dich Gott, wollen wir hören. Wir bitten dich, hilf uns dabei, öffne uns Ohren und Herz. Hilf uns, uns auf deine heilige Gegenwart einlassen zu können. Verbinde uns mit dir, so wie wir auch miteinander verbunden sind, obwohl wir in verschiedenen Räumen und an verschiedenen Orten feiern. Gott, komm in unsere Mitte.

Jesus, am zweiten Sonntag nach Ostern danken wir dir erneut für deine Auferstehung, die den Lauf der Welt verändert hat. Du bist gekommen, um uns zu erlösen. Was uns Menschen unmöglich war, hast du am Kreuz vollbracht und damit den Weg frei gemacht. Wir sind auf diesem Weg und die Schönheit deiner Straße verlieren wir of aus dem Blick, weil wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Jesus, und so bitten wir dich: Öffne unsere Augen immer wieder neu, für deine Heilstat an uns. Du hast uns nach Hause geliebt. Dafür loben und preisen wir dich. Jesus, komm und sei uns nahe.

Heilige Geistkraft, du schaffst das Wunder des Glaubens in uns. Wie unverständlich bleiben die Verheißungen, wenn du sie nicht zum Blühen bringst, wenn du ihnen nicht Leben einhauchst. Wir bitten dich: Lass uns deinem Wirken vertrauen. Schenke uns die Standfestigkeit und den Mut, andere Menschen einzuladen, dich dreieiniger Gott kennen zu lernen. Was wir tun können, lass uns tun und was du wirken willst, das wirke. Dreieiniger Gott, du bist der Ursprung unserer Hoffnung und das Ziel unserer Sehnsucht. Dein Name sei gepriesen, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lied 34,2 „Lob, Anbetung, Ruhm und Ehre“

+ Psalm 116,1-4 und 12-19

Ich liebe den HERRN, denn er hört
die Stimme meines Flehens.

Er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des HERRN:
Ach, HERR, errette mich!

Wie soll ich dem HERRN vergelten
all seine Wohltat, die er an mir tut?

Ich will den Kelch des Heils nehmen
und des HERRN Namen anrufen.

Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen
vor all seinem Volk.

Der Tod seiner Heiligen
wiegt schwer vor dem HERRN.

Ach, HERR, ich bin dein Knecht,
ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd;
du hast meine Bande zerrissen.

Dir will ich Dank opfern
und des HERRN Namen anrufen.

Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen
vor all seinem Volk

in den Vorhöfen am Hause des HERRN,
in dir, Jerusalem. Halleluja!

+ Lesung Apostelgeschichte 2,14a und 36-41

14 Da trat Petrus vor die Menge
und mit ihm die anderen elf Apostel.
Mit lauter Stimme rief er ihnen zu:

36 Daran soll ganz Israel
mit unerschütterlicher Gewissheit erkennen:
Diesen Jesus,
den ihr gekreuzigt habt,
hat Gott zum Herrn und Christus gemacht.«
37 Mit seinen Worten traf Petrus die Zuhörer mitten ins Herz.
Sie fragten ihn und die anderen Apostel:

»Ihr Brüder,
was sollen wir tun?«

38 Petrus antwortete ihnen:

Ȁndert euer Leben!
Lasst euch alle taufen
auf den Namen von Jesus Christus.
Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben
und euch den Heiligen Geist schenken.
39 Diese Zusage gilt für euch
und eure Kinder.
Und sie gilt für alle Menschen,
die jetzt noch fern sind.
Denn der Herr, unser Gott,
wird sie zum Glauben an Jesus hinzurufen.«

40 Mit diesen und noch vielen weiteren Worten
beschwor Petrus die Leute
und ermahnte sie:

»Lasst euch retten!
Wendet euch ab von dieser Generation,
die durch und durch schuldbeladen ist!«

41 Viele nahmen die Botschaft an,
die Petrus verkündet hatte,
und ließen sich taufen.
Ungefähr 3000 Menschen
kamen an diesem Tag zur Gemeinde dazu.

Lied EM 408 „In Christ there is no East nor West“ (Musikvideo)

+ Lukas 24,13-35

13 Und sieh doch:
Am selben Tag waren zwei Jünger unterwegs
zu dem Dorf Emmaus.
Es liegt etwa sechzig Stadien von Jerusalem entfernt.
14 Sie unterhielten sich über alles,
was sie in den letzten Tagen erlebt hatten.
15 Dann, während sie noch miteinander redeten
und hin und her überlegten,
kam Jesus selbst dazu
und schloss sich ihnen an.
16 Aber es war,
als ob ihnen jemand die Augen zuhielt,
und sie erkannten ihn nicht.
17 Er fragte sie:

»Worüber seid ihr unterwegs
so sehr ins Gespräch vertieft?«

Da blieben sie traurig stehen.
18 Der eine –
er hieß Kleopas –
antwortete ihm:

»Du bist wohl der Einzige in Jerusalem,
der nicht weiß,
was dort in diesen Tagen passiert ist?«

19 Jesus fragte sie:

»Was denn?«

Sie sagten zu ihm:

»Das mit Jesus von Nazaret!
Er war ein großer Prophet.
Das hat er durch sein Wirken
und mit seinen Worten
vor Gott und vor dem ganzen Volk gezeigt.
20 Unsere führenden Priester
und die anderen Mitglieder des jüdischen Rates
haben dafür gesorgt,
dass er zum Tod verurteilt
und gekreuzigt wurde.
21 Wir hatten doch gehofft,
dass er es ist,
der Israel erlösen soll.
Aber nun ist es schon drei Tage her,
seit das alles geschehen ist.
22 Und dann haben uns einige Frauen,
die zu uns gehören,
aus der Fassung gebracht:
Sie waren frühmorgens am Grab.
23 Aber sie konnten seinen Leichnam nicht finden.
Sie kamen zurück und berichteten:
›Wir haben Engel gesehen.
Die haben uns gesagt,dass Jesus lebt!‹
24 Einige von uns sind sofort zum Grab gelaufen.
Sie fanden alles so vor,
wie die Frauen gesagt haben –
aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.«

25 Da sagte Jesus zu den beiden:

»Warum seid ihr so begriffsstutzig
und tut euch so schwer damit zu glauben,
was die Propheten gesagt haben?
26 Musste der Christus das nicht alles erleiden,
um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?«
27 Und Jesus erklärte ihnen,
was in den Heiligen Schriften über ihn gesagt wurde –
angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.

28 So kamen sie zu dem Dorf,
zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat so,
als wollte er weiterziehen.
29 Da drängten sie ihn:

»Bleibe doch bei uns!
Es ist fast Abend
und der Tag geht zu Ende!«

Er ging mit ihnen ins Haus
und blieb dort.
30 Dann, nachdem er sich mit ihnen
zum Essen niedergelassen hatte,
nahm er das Brot
und sprach das Dankgebet.
Er brach das Brot in Stücke
und gab es ihnen.
31 Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen
und sie erkannten ihn.
Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.
32 Sie sagten zueinander:

»War unser Herz nicht Feuer und Flamme,
als er unterwegs mit uns redete
und uns die Heiligen Schriften erklärte?«

33 Und sofort sprangen sie auf
und liefen nach Jerusalem zurück.
Dort fanden sie die elf Jünger beieinander,
zusammen mit allen anderen,
die zu ihnen gehörten.
34 Die Jünger riefen ihnen zu:

»Der Herr ist wirklich auferstanden!
Er hat sich Simon gezeigt!«

35 Da erzählten die beiden,
was sie unterwegs erlebt hatten
und wie sie den Herrn erkannten,
als er das Brot in Stücke brach.

Lied HW 18 „Vater deine Liebe“ (Musikvideo)

+ Predigt von Pastorin Esther Handschin

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Krise verändert meine Wahrnehmung. Habt ihr das auch schon festgestellt? Nachdem die ersten Regeln kommuniziert worden sind, habe ich begonnen zu prüfen, ob sich auch alle daran halten. Keine Hände schütteln, Abstand halten, in dieArmbeuge nießen, Hände waschen, nicht mit fremden Menschen kuscheln, die nicht im meinem Haushalt leben. Damit habe ich jetzt eine Kontrollbrille auf der Nase, um alles zu prüfen. Die Fernsehwerbung in den ersten Tagen: eine Katastrophe! Viele Menschen, die sich auf engem Raum zusammenstellen: Schon wollte ich dazwischen gehen. Ein kurzer Gang zum Briefkasten: Warum blockiert das Pärchen den Gehsteig? meldet sich meine innere Stimme. Könnt ihr euch nicht an die Regeln halten und mir Platz machen?

Diese neue Brille auf meiner Nase ist selbst dann nicht so leicht abzunehmen, wenn ich einen biblischen Text lese. Wie können die beiden Jünger und Jesus einfach zu dritt nebeneinander hergehen und die Straße blockieren! Abstand halten ist angesagt! Und dann betreten die drei noch ein Gasthaus. Drei Menschen, die nicht im gleichen Haushalt miteinander leben, setzen sich gemeinsam an einen Tisch. Wie können die nur! Die Gasthäuser sperren doch erst Mitte Mai wieder auf! Zumindest in Österreich.

Vielleicht ist es auch der Neid, den ich an dieser Stelle empfinde. Da gibt es Menschen in dieser Geschichte, die einander nicht kennen und doch miteinander reden. Sie setzen sich gemeinsam an einen Tisch und teilen das Essen. Das ist etwas, was mir mächtig abgeht: In ungezwungener Weise beieinander sitzen, Erfahrungen austauschen, miteinander reden, sich austauschen wie es mir und den anderen gerade geht und sich dabei als ganze Menschen wahrnehmen können. Nicht nur mit dem Ausschnitt, den mir der Bildschirm bei einer Videokonferenz zeigt, ganz ohne gestikulierenden Hände, aber dafür mit einem Bücherregal im Hintergrund und vielleicht noch mit einer Grünpflanze.

Was uns Lukas hier fast am Schluss seines Evangeliums als nachösterliche Erscheinungsgeschichte erzählt, sehe ich schon als einen Hinweis auf sein Fortsetzungswerk, die Apostelgeschichte. Da entfaltet er im Großen, wie die Jünger zu Aposteln werden und — mit dem Geist Gottes begabt — hinausgehen, um die Botschaft Jesu unter die Menschen zu bringen. Sie beginnen in Jerusalem. Dann ziehen sie weitere Kreise bis nach Galiläa und darüber hinaus und es geht am Schluss mit Paulus sogar bis nach Rom. So wächst die Kirche Jesu Christi. Aber schon in der Geschichte der beiden Jünger, die unterwegs sind nach Emmaus, können wir einige Merkmale dessen erkennen, was das Wesen der Kirche ausmacht. Ich würde es mit zwei Worten zusammenfassen: Es geht um Weggemeinschaft und es geht um Tischgemeinschaft.

Das herannahende Jubiläum, das wir als Methodistenkirche in Österreich nächstes Jahr feiern werden, lässt uns danach fragen, was uns als Kirche wichtig ist. Was wollen wir, dass die Menschen, unsere Familien und unser Freundeskreis, aber auch die Medien und die Öffentlichkeit von uns wissen, wenn wir auf 150 Jahre zurückblicken? Wie sollen sie uns wahrnehmen? Was ist unser Markenzeichen? Welches Bild wollen wir ihnen von uns vermitteln? Es geht dabei nicht allein um die Außenwirkung. Es tut uns selbst ebenfalls gut, einmal vertieft darüber nachzudenken, was uns an der Kirche, an unserer Kirche, an unseren Gemeinden wichtig ist. Was schätzen wir an der Art und Weise wie wir Kirche sind, wie wir Gottesdienst feiern, wie wir den Glauben vermitteln und weitergeben, welchen Umgangston wir miteinander pflegen und wie wir miteinander unterwegs sind?

Im Februar heben wir uns als Pastorinnen und Pastoren zusammen mit den Laienmitgliedern getroffen, um uns einen Tag lang über diese Fragen auszutauschen. Das machen wir normalerweise nur bei der Jährlichen Konferenz, unserer Synode. Das Ergebnis unserer Gespräche lässt sich — wie bei allem, was man in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet — nicht so leicht wiedergeben. Ein Begriff, der immer wieder genannt wurde, ist die Gemeinschaft. Unsere Gemeinden sind dazu da, dass Menschen ihre Beziehung zu Gott leben können und darin gestärkt werden. Wir feiern miteinander die Gemeinschaft, die Gott mit uns Menschen gestiftet hat. Die Gemeinschaft ist wichtig, denn wir lernen miteinander und voneinander, wer dieser Gott ist, der uns in Jesus Christus nahegekommen ist. Unsere Gemeinden sind darum Orte der Glaubensentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung. Hier lernen wir, unseren Glauben auszudrücken, darüber nachzudenken, mit anderen darüber zu reden und den Glauben im Alltag umzusetzen. Das geschieht nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in vielen kleineren Gruppen und Kreisen. Doch wir beschäftigen uns nicht nur mit uns selbst. Unsere christliche Liebe und Beziehung gilt auch unseren Nächsten, die nicht Mitglied der Gemeinde sind oder unseren Glauben teilen.

Ich muss zugeben, soviel Betonung der Gemeinschaft macht mich auch skeptisch. Nicht für alle Menschen ist Gemeinschaft wichtig. Es gibt Menschen, die tun sich leichter nur mit sich selbst zu sein. Zu viel Nähe löst bald einmal das Gefühl von Enge aus. Wir schnell vermitteln wir dabei: Werde einfach so wie wir, dann ist alles ok. Das kann zwar Unterschiedliches zur Folge haben, erfordert aber eine hohe Anpassungsleistung: Lerne die gleiche fromme Sprache, wie wir sie pflegen. Bete genau so, wie wir es tun. Komm jeden Sonntag, dann gehörst du dazu. Das kann es für mich nicht sein. Wie aber dann?

Für mich ist die gegenwärtige Corona-Zeit mit der Beschränkung von physischen Kontakten eine gute Möglichkeit, um noch einmal dem nachzuspüren und zu prüfen, was genau für mich an „Gemeinschaft“ denn so wichtig ist. Ja, ich sehne mich nach Gemeinschaft mit anderen Menschen, aber wie viel davon ist auch notwendig für meinen Glauben? Noch habe ich keine fertigen Antworten. Aber ich freue mich auf einen Austausch mit anderen darüber. Inzwischen möchte ich von der Geschichte der Jünger, die unterwegs nach Emmaus waren, lernen, was für sie Weggemeinschaft und Tischgemeinschaft bedeutet.

Die beiden sind miteinander auf dem Weg. „Met’“ (= mit) „hodos“ (=Weg), mit auf dem Weg sein, könnte man sagen. Die Herleitung des Wortes „Methode“ aus dem Griechischen als „miteinander auf dem Weg sein“ ist nicht ganz exakt. Aber ich erkläre damit gerne wer die Methodisten sind. Man hat ihnen im 18. Jahrhundert in England diesen Spottnamen gegeben hat, weil man meinte, so wollten gerne nach einer bestimmten Methode fromm sein. Ich sehe sie lieber als Menschen, die miteinander auf dem Weg sind, wie diese beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Es ist auffällig, wie in den ersten paar Versen der Geschichte das „miteinander“ betont und mehrfach erwähnt wird.

Sie reden also miteinander über das, was sie erlebt haben und was sie beschäftigt. Da gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Der scheint nichts zu wissen von dem, wo die beiden annehmen, dass es alle wissen. Und so lässt er sich von den beiden erzählen, was in den letzten Tagen alles in Jerusalem geschehen ist: vom Propheten Jesus, der von den Obrigkeiten der Stadt hingerichtet und gekreuzigt wurde; von der Entdeckung des leeres Grabes durch einige Frauen; von ihren Erzählungen über eine Erscheinung von Engeln und von anderen, die ebenfalls das leere Grab gesehen haben.

Überraschenderweise ist es gerade der Fremde, der nun anfängt anhand der Heiligen Schrift den beiden zu erklären, wie sie das Geschehene verstehen und deuten können. Das Miteinander auf ein Ziel zugehen, hat sie geöffnet für etwas Neues. Wie ich es oft erlebt habe, gibt es Menschen — eher sind es die Männer —, die dann ins Reden und Erzählen kommen, wenn man mit einen ein gemeinsames Ziel ansteuert. Das Reden geschieht dann quasi nebenher. In der Fachsprache der Kommunikation heißt das „side by side“. Und noch etwas geschieht: Die beiden haben ihre Weggemeinschaft geöffnet für einen Fremden. Sie werden von ihm beschenkt mit einem neuen Verständnis ihrer Erfahrungen und ihres Glaubens. 

Kein Wunder also, dass sie das Bedürfnis haben, sich nach der Weggemeinschaft auszurasten und zu stärken. Das Reden und Gehen hat sie müde, durstig und hungrig gemacht. Also laden sie den Fremden ein, ihr Gast zu sein. Nun sitzen sie um einen Tisch und können sich gegenseitig anschauen. Das ist eine andere Form der Kommunikation, wo ich beobachte, dass sie eher bei Frauen gut funktioniert: „face to face“. Wie schon zuvor dreht sich etwas um im Verhältnis der beiden Jünger zum ihnen noch unbekannten Jesus. Zunächst haben die beiden den Unbekannten als ihren Gast eingeladen. Am Tisch aber, wird auf einmal er zum Gastgeber, indem er das Brot nimmt, dafür dankt, es für alle bricht und weitergibt.

Mit der Entdeckung, mit wem sie da eigentlich unterwegs waren und am Tisch saßen, löst sich die Weg- und Tischgemeinschaft wieder auf. Die beiden Jünger sind nun nicht mehr unterwegs nach Emmaus, sondern sie kehren nach Jerusalem zurück. Als erstes suchen sie die Gemeinschaft mit denjenigen, mit denen sie verzweifelt, traurig und ratlos waren. Die gilt es zu ermutigen mit dem, was sie erlebt haben. Doch eigentlich sind sie zu spät dran, denn die in Jerusalem haben selbst schon erfahren, dass ihr Herr auferstanden ist.

Zum Schluss möchte ich noch einmal zusammenfassen, was mir die Geschichte der Emmausjünger zum Thema der Gemeinschaft sagt. 

Weg- und Tischgemeinschaften sind geprägt vom Miteinander, ob es nun das Miteinander Tun oder das Miteinander Reden sei. 

Es hilft uns, unser Erleben, sei es nun Schmerz oder Freude, Leid oder Dank, besser zu verstehen, wenn wir es anhand der Heiligen Schrift tun.

Oft sind es diejenigen, die von außen dazustoßen, die uns wichtige Impulse und neue Sichtweisen vermitteln können.

Nicht immer sind diejenigen, die einladen auch die Gastgeber. Oft genug drehen sich die Rollen um und wir werden von den Gebenden zu den Empfangenden.

Unsere Zuwendung gilt de Verzweifelten, Traurigen und Ratlosen. Aber gerade sie können uns mit der Botschaft überraschen, dass der Herr auferstanden ist. Amen.

+ Gebet mit Fürbitten und Lied HW 135

Musikvideo zu „Bleib mit deiner Gnade“

Gott, wir denken dieser Tage immer wieder an die Menschen in Ländern, die nicht so reich und nicht so gut aufgestellt sind wie wir in Österreich. Ob in Indien, in Bangladesch, in Nordmazedonien oder Albanien. Wir bitten dich: Bewahre sie! Bewahre sie durch deine Gnade und durch dein Wirken, denn nichts ist dir unmöglich. Hilf ihnen, wo unsere Hilfe zu kurz greift. Und hilf auch uns, die wir Möglichkeiten haben zu helfen und solidarisch zu handeln.

Jesus, heute wollen wir für alle Familien bitten, die unter der erzwungenen Nähe zu leiden beginnen und wo sich der Frust und die Gleichförmigkeit der Tage in Wut und Gewalt zu entladen droht. Bitte Jesus, schenke neue Gedanken, neue Ideen und Möglichkeiten, wie dies verhindert werden kann. Stärke in allen Betroffenen die liebevolle Achtsamkeit und den Willen zum Frieden. Schütze die Schwächeren und bewahre alle Beteiligten davor, aneinander schuldig zu werden, darum bitten wir dich, Jesus.

Ja, Gott, und so bitten wir dich für alle Menschen weltweit, für die die gegenwärtige Situation der Arbeitslosigkeit und erzwungenen Untätigkeit existenzbedrohend wird. Denen langsam die Luft zum Atmen ausgeht und die verzweifelt sind, weil sie nicht wissen, wie sie überleben sollen. Deren Ersparnisse aufgebraucht sind und die fragend die Hände zu dir erheben: Hilf ihnen aus ihrer Not. Gott, wir bitten dich: Hilf ihnen, wie nur du helfen kannst. Erbarme dich, Gott, das erflehen wir für unsere Geschwister. Sei ihnen nahe und errette sie aus dem Elend. Gott, bitte vernimm unser Rufen, erhöre unser Gebet.
Amen.

Vaterunser

+ Kollekte

Kennt ihr schon Ragrunzel? Wenn nicht, dann könnt ihr sie hier kennen lernen: https://youtu.be/h9kjqJvPFPk. Ragrunzel ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie man auch jetzt seine Dankgaben sammeln kann. Den Dank ansammeln, sozusagen. Für den Tag, an dem wir wieder gemeinsam feiern. Danke!

+ Dankgebet

Danke Gott, dass du uns gibst, was wir zum Leben brauchen.
Auch wenn es jetzt vielleicht weniger ist, als wir gewohnt waren.
Aber auch ohne Geld können wir dir Dank sagen.
Und sei es auch für die Bewahrung vor noch schlimmeren Übel.
Unser Leben ist in deinen Händen geborgen und dafür sagen wir Dank! Amen.

Lied EM 20 „All die Fülle ist in dir, oh Gott“ (Musikvideo)

+ Segen

Gott segne euch!
Denkt an Jesus auf dem Weg nach Emmaus:
Er begleitet uns auf unseren Wegen.
Er ist an unserer Seite und
Er schenkt uns die Worte, die unser Leben halten. In Ewigkeit halten.
Amen.

Lied 387 Vertraut den neuen Wegen (Musikvideo)


Die Lesungen sind entnommen aus der Luther Bibel 1984 sowie aus der Basis Bibel, beides Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart