• Lieder aus dem Gesangbuch der EmK (EM) bzw. Himmelweit (HW).
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Gottesdienstliturgie

Eingangsmusik

Begrüßung und Einführung zum Gottesdienst
von Pastorin Esther Handschin

Liebe Schwestern und Brüder,

wir setzen die Reihe der Gottesdienste unter dem Motto „eigentlich wäre heute dies oder das gewesen“ fort. Eigentlich hätte an diesem Wochenende die österreichweite Frauenfreizeit in Litzlberg am Attersee stattgefunden. Sie musste abgesagt werden. Aber das, was den Frauen aus Salzburg wichtig ist und was sie für diese Frauenfreizeit vorbereitet haben, das spiegelt sich in diesem Gottesdienst wider.

Wir wollen unser Feiern und Beten, Hören und Singen im Namen des dreieinen Gottes geschehen lassen:

Gott, der Vater, der diese Welt und uns alle geschaffen hat, in wunderbarer Einzigartigkeit.

Jesus Christus, sein Sohn, der uns erlöst und uns durch seine Auferstehung eine neue Hoffnung geschenkt hat.

Gott, der Heilige Geist, der uns untereinander verbindet und mit seiner Kraft tröstet in Zeiten, wo wir Absagen, Distanz und Abschiede zu verkraften haben.

Nun lasst uns ruhig werden, damit wir mit den Worten des ersten Liedes uns sammeln und bei Gott ankommen können.

Lied himmelweit 53,1-4 „In der Stille angekommen“ (Musikvideo)

Eingangsgebet

Guter GOTT,
Mutter und Vater, Liebe und Schönheit, Weisheit und Kraft, Quelle und Strom, Freundin und Freund, dieses Wochenende wäre unsere Frauenfreizeit am Attersee geplant gewesen. Äußere Umstände lassen uns jetzt diesen Sonntag in der Gemeinschaft mit DIR und ALLEN aus unserer Kirche im virtuellen Raum feiern.
Wir danken Dir und sind froh, dass Du uns rufst, trotz allen Widrigkeiten, in Gemeinschaft zu feiern.

Wir spüren, dass es oft schwer ist zu verstehen und anzunehmen. Unsere Lebensgeschichten sind verschieden, genau so wie unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Kräfte und Gaben.

Befreie uns von der Blindheit, die nur einen Weg für alle sieht.

Erschaffe in uns den Mut zu erkennen, was wir brauchen um in deinem Sinne lebendig und frei zu sein. Denn wer frei ist, kann in die Freiheit entlassen. DU machst uns frei, damit wir Heil werden und damit wir Wunden bei uns selbst und bei unseren Nächsten erkennen und verbinden können.
Mache uns bewusst, dass wir mit allen Geschöpfen verbunden sind.
DANKE, dass wir mit DIR verbunden sind, und Du alle Tage bei uns bist!

Ermutige uns in unserem Einsatz für Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Frieden.

DU, unser Schöpfer GOTT, alles was wir sind und haben, ist DEIN Geschenk an uns. Hilf uns deinen Auftrag anzunehmen, im Einklang und in Verantwortung mit deiner Schöpfung zu leben.

In anderen Teilen unserer wunderbaren Welt hören wir von einer Schöpfung die liebevoll PACHAMAMA – Mutter Erde – genannt und verehrt wird.
DU, Schöpfer GOTT bist unsere Pachamama, DU vermittelst uns dieses Aufgehoben-Sein in DIR.

Führe uns nun durch DEIN Wort in diesem Gottesdienst, in DEINE liebenden, Hoffnung bringenden Arme und lass uns ruhig werden in DIR.
AMEN

Lied 46,1-3 „Sonne und Mond, Wasser und Wind“ (Musikvideo)

+ Einführung ins Thema: „Der Zug des Lebens“

Verfasser unbekannt.
Zitiert von: https://www.copala.at/2016/04/13/der-zug-des-lebens/ – mit leichten Änderungen.

Das Leben ist vergleichbar mit einer Zugreise.
Wir steigen ein und aus, bei manchen Aufenthalten gibt es angenehme Überraschungen oder bei anderen auch weniger schöne Erlebnisse.
Wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken, dass sie immer mit uns reisen, aber an irgendeiner Haltestelle werden sie aussteigen und wir müssen  unsere Reise ohne sie fortsetzen.
Doch es steigen andere Passagiere zu, die für uns auf die eine oder andere Weise wichtig werden – unsere
Geschwister, Freunde und sogar die Liebe unseres Lebens. Wenn manche von ihnen aussteigen, hinterlassen sie eine große Leere, bei anderen hingegen merken wir gar nicht, dass sie ausgestiegen sind. Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschieden.
Die große Frage der Reise ist, dass wir nicht wissen, an welcher Haltestelle wir endgültig aussteigen werden und genau so wenig, wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt.

Wir können aber dabei mithelfen, das Gepäck aller unserer Mitreisenden zu vermehren und wertvoller zu machen.
Vielleicht wollt ihr euch einmal überlegen, wer eure Mitreisenden alle sind?
Was tragen diese dazu bei, dass ihr eine gute Reise habt?
Für wen glaubt ihr, ein guter Mitreisender / eine gute Mitreisende zu sein? Wie tragt ihr selbst dazu bei?

Ich wünsche uns allen, dass die Reise jeden Tag schöner wird und dass wir immer Liebe und Gesundheit im Gepäck und nette Mitreisende haben.

Ich schließe mit einem Zitat von Günter Kunert:
„Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns selbst.“

+ Psalm 139, 1-18, 23-24

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.
HERR, du erforschest mich
und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast meine Nieren bereitet
und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür,
dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich,
als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!
Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:
Am Ende bin ich noch immer bei dir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.

Lied himmelweit 1 „Einer, der mit uns geht“ (Musikvideo auf Englisch)

+ Lesung Apostelgeschichte 17, 22-31

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.

23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.

25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,

27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

29 Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.

31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Lied 464 (2x) „Halleluja“ (Musikvideo)

+ Predigt von Dorothee Büürma

Heute Sonntag, den 17. Mai wäre unsere Frauenfreizeit am Attersee zu Ende gegangen. Wir hätten uns im Gottesdienst zum Abschluss der gemeinsamen Zeit Gedanken gemacht über die Bibelstelle, die uns in den Tagen der Freizeit als Thema beschäftigt hätte.
Wir wollten darüber nachdenken, wie wir unser Leben auf dieser Welt im Sinne Gottes gestalten können und auch sollten. Und ein kleines bisschen wollten wir uns auch über die Herausforderungen unseres Welt-Klimas Gedanken machen. Darauf werde ich am Ende der Predigt noch Bezug nehmen.

Die Lesung, die wir in der Vorbereitung für die Frauenfreizeit gewählt haben, ist Psalm 139. Dieser Psalm erinnert uns daran, dass Gott sowohl unser Schöpfer ist, als auch immer noch in Verbindung mit unserer Welt ist: „Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.“ (Vers 3)

Wir wollten uns Gedanken machen über unsere Wege …
Wie sehen unsere Wege denn aus?
In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich unsere Pläne natürlich komplett verändert. Keine unserer Frauen konnte sich letztendlich auf den Weg zur Freizeit am Attersee machen. Auch viele andere geplante Wege und Reisen mussten von uns allen abgesagt werden. Das Virus hat uns alle in unserer Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt.
Und doch – wir sind unterwegs auf unseren Lebenswegen. Zwar vielleicht anders als geplant, aber dennoch unterwegs.

Die Geschichte vom Zug des Lebens, die wir als Einführung schon gehört haben, beschreibt unsere Reise durch das Leben. Ich möchte euch alle einladen, im Stillen in den kommenden Tagen innezuhalten und über euren Lebenszug nachzudenken. Wo waren wichtige Streckenabschnitte, die euch entweder besonders leicht oder besonders schwer gefallen sind? Welchen Teilen der Reise trauert ihr noch nach? Worauf freut ihr euch auf der Weiterreise schon? An welche Mitreisenden erinnert ihr euch besonders? Wen könntet ihr wieder einmal für einen Abschnitt auf die Reise einladen? Diese Gedanken haben mich immer wieder bewegt in letzter Zeit. Ich persönlich merke, dass die Zeit der Beschränkungen auch mir geholfen hat, über die Prioritäten in meinem Leben nachzudenken. Ich bin dankbar, dass durch die Verordnungen in unserem Land sich auch meine eigene Perspektive im Leben geändert hat:

Als Mutter, die sich mit der Vorstellung des Home-Office abzufinden versucht, habe ich dennoch die Zeit genossen, in der ich meine Kinder näher bei mir haben konnte. Es ist schon ein Privileg, wenn man die Kinder im eigenen Zuhause über eine längere Zeit hinweg miterleben darf. Man sieht, wie sie wachsen und sich weiterentwickeln. Wir haben uns Zeit genommen fürs Gespräch und für das gemeinsame Spielen. Viele Sorgen und Ängste konnten wir so ausgiebiger miteinander teilen und uns gegenseitig immer wieder aufmuntern. 


Der 4. Geburtstag unseres Jüngsten war eine besondere Herausforderung: wenn man nicht zu seinen Lieblingsorten (wie Zoo, Museum, Spielplatz) gehen kann und auch keine Familienmitglieder oder Freunde einladen darf. Wie kann man dann eine besondere Geburtstagsfeier organisieren? Wir haben es letztendlich mit einer großen Umräum- Aktion beholfen, das Wohnzimmer für den Geburtstag (und die darauf folgende Woche) in eine Hot-Wheels-City (eine Auto-Rennbahn-Stadt) umzubauen. Das war dann so ein Abenteuer, dass die Erwartungen an zukünftige Kindergeburtstage nun wohl etwas höher sind als bisher … Not macht eben erfinderisch! Das wurde mir in letzter Zeit wieder stark bewusst. Meine Kreativität konnte weiter entfaltet werden. Etwas erschaffen – das ist im Zentrum unseres Glaubens. Wir sind dankbar für alles, was Gott erschaffen hat. Auch das finden wir in unserem Psalm 139 (Vers 14)„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“.

Gott, der das All ins Leben gerufen hat, der Schöpfer des Himmels und der Erde, dieser Gott „versteht meine Gedanken von ferne“ (Vers 2) und doch ist er uns gleichzeitig ganz nah: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Vers 5)

Diese Nähe Gottes auf unseren Lebenswegen ist auch in der Lebensgeschichte des Apostel Paulus immer wieder sichtbar.
In der 2. Lesung haben wir aus der Apostelgeschichte von der Reise des Paulus durch Griechenland gehört. Paulus war auf seiner zweiten missionarischen Reise von Israel aus über die heutigen Länder Syrien, Türkei, und Mazedonien nach Griechenland gereist. Die Reise war lang und nicht immer einfach für Paulus. Begleitet wurde er auf dieser Reise von Silas und Timotheus und auch vom Evangelisten Lukas, dem Autor der Apostelgeschichte. 
 Der Abschnitt, über den unsere heutige Lesung berichtet, ist der Teil der Reise, in dem Paulus nach Athen gekommen ist. Im Norden des Landes hatte er schon gepredigt und war dort vor allem von vielen jüdischen Gläubigen verfolgt worden. Sie wollten an ihrer Glaubenstradition festhalten und nichts von seinen Erklärungen über Jesus hören.

Athen dagegen war eine weltoffene Stadt, in der Philosophie und neues Wissen einen hohen Stellenwert hatten. Hier stieß Paulus zunächst auf ein gewisses Interesse an seinen Predigten und Lehren. Natürlich war Athen von der Religiosität der Griechischen Antike geprägt – überall gab es Tempel für die Anbetung und Verehrung der verschiedenen Gottheiten. Und doch waren vor allem die Philosophen, die der Schule des Epikur folgten, mit ihren Vorstellungen von der Existenz eines übergeordneten (und ihnen unbekannten) Gottes, an den Erklärungen des Paulus interessiert.

Lukas erzählt, dass Paulus auf den Areopag geführt wurde, den Hügel vor dem großen Stadtberg der Akropolis. Dort hat er laut der Apostelgeschichte eine Rede gehalten, in der er seinen Glauben an den „Gott des Himmels und der Erde“ beschrieb. Paulus kritisierte die vielen Tempel der Athener für ihre verschiedenen Gottheiten und wollte ihnen erklären, dass Gott nicht in Heiligtümern wohnt. Vielmehr ist er „nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (Apg 17,27-28) Die Vorstellung, dass es einen uns nie ganz bekannten Gott gibt, der sowohl alles überschaut, als auch ganz nah bei uns ist, die war für Paulus ein Punkt, den auch die philosophisch interessierten Griechen verstehen konnten. In Jesus war Gott ganz Teil unserer Welt. In seinem Sterben und Auferstehen überwand er jedoch die Grenzen der weltlichen Vernunft. 


Paulus betonte besonders, dass Gott gleichzeitig über allem Leben und der gesamten Menschheit steht: „Er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen.“ Alles ist in Gottes Händen.
Das finde ich nun ganz besonders tröstlich in dieser Zeit der Einschränkungen und der Ungewissheit. Gott hat andere Grenzen als wir Menschen. Wir fühlen uns eingeengt oder gar eingesperrt. Wir vermissen die quasi grenzenlose Freiheit, mit der wir so selbstverständlich durchs Leben ziehen konnten.

Uns wird momentan wieder ins Bewusstsein gerufen, dass unsere Erde und unser irdisches Leben vergänglich sind. Paulus hat war sich dessen stärker bewusst und erinnert in seinen Briefen immer wieder daran, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht.
Wir Menschen, vor allem in den reicheren Nationen, leben so, als wären die Ressourcen unserer Welt endlos. Wir leben oft im Überfluss und versuchen uns immer wieder über die Grenzen der Natur hinwegzusetzen. Der Umgang mit der Covid-19-Pandemie zeigt deutlich, dass die Menschheit nicht ganzheitlich denken und handeln will. Grenzen werden geschlossen und nationale Interessen stehen im Vordergrund. Selbst im kleineren Umfeld ist das deutlich: Wir hamstern Lebensmittel und Klopapier, damit wir selbst nicht in unangenehme oder hilflose Situationen kommen. „Survival of the fittest!“ lautet das Prinzip.

Unsere Natur zeigt uns gleichzeitig ein anderes Phänomen: Sobald die Menschen sich einschränken und zurückziehen, scheint sich das Klima zu erholen. Wenn wir nicht mehr den Lärm der Fahrzeuge auf unseren Straßen hören, merken wir plötzlich, wie viele Vögel um uns herum zwitschern. Wir sehen erstaunliche Bilder von den sauberen Flüssen in Venedig, in denen nun wieder Schwäne und gar Delfine sich aufhalten. Die Belastung der Luft ist deutlich zurückgegangen, seit mehr Fabriken ruhen und weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind.

Als wir noch Anfang dieses Jahres die Frauenfreizeit vorbereitet hatten, wollten wir uns über den Klimawandel Gedanken machen. Die Salzburger Nachrichten hatten uns mit einem Artikel inspiriert, der den Titel trug: „Jesus wäre Klimaschützer“. Welche Spuren hat unser Lebenszug in der Welt hinterlassen? Auf dem Titelbild des Gottesdienstes sind verschiedene Spuren zu sehen. Vor allem das Plastik-Problem unserer Welt war uns in der Vorbereitung ein Anliegen. Die hygienischen Herausforderungen während der Pandemie machen es uns nicht gerade leichter, im Alltag auf Plastik zu verzichten. Die gesundheitlichen Beschwerden durch Mikro-Plastik sind vor allem in den Ländern, in denen unser Müll gelagert wird, für die Bevölkerung schmerzhaft.

Und: Hätte es die momentane Pandemie überhaupt gegeben, wenn die Menschheit mehr im Einklang mit der Natur gelebt hätte, anstatt sie auszubeuten?

Paulus rief die Menschen in Athen dazu auf, Buße zu tun. Sie sollten ihr Leben überdenken und sich neu orientieren. Gott lädt zur Umkehr und zum Umdenken ein. 

Jesus hat das durch sein Leben und darüber hinaus immer wieder gezeigt.
Der Gott des Himmels und der Erde kann neues Leben geben. Das ist unsere Hoffnung – auch (und vor allem) in dieser Zeit nach Ostern und während der Pandemie.
Gottes Herrlichkeit bricht in den unerwarteten Situationen des Lebens hervor.
Für unseren Lebensweg lade ich daher uns alle ein, wie der Psalmist immer wieder zu bitten: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Ps 139,23-24) 
Amen.

+ Fürbitten

Gütiger und barmherziger Gott!

Sieh auf unsere Gemeinden!
Auch in virusfreien Zeiten sind wir Gemeinden viele Kilometer voneinander entfernt, aber in diesen Wochen und Monaten ist die räumliche Distanz noch schmerzlicher. 

Wir beten für unsere Gemeinden: Wir spüren diese Trennung voneinander – Isolation macht sich für viele von uns bemerkbar. Wir leiden darunter, dass wir nicht gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen, so, wie es uns lieb und teuer ist.

Große Dankbarkeit erfüllt uns, weil unsere Pastoren und Pastorinnen und viele Mitarbeiter/Innen mit großer Liebe und Kreativität bemüht sind, uns jeden Sonntag über neue Medien einen Gottesdienst zu ermöglichen, mit Predigt und Gebeten, mit Liedern und Musik! Wir bitten Dich, erfülle Du sie immer wieder mit Deinem Heiligen Geist für diesen Dienst an unseren Gemeinden!
Wir sind auch dankbar für den gemeinsamen Blog, mit Glaubensimpulsen und Botschaften verschiedener Art. Hilf uns, dass wir diese neuen Wege der Verkündigung klug nützen.

Hilf uns auch, besonders diejenigen nicht zu vergessen, die keinen Zugang zu diesen Möglichkeiten haben. Stärke unsere Liebe zueinander, dass wir uns besonders den Kranken, Betagten und Einsamen zuwenden. Lass uns auch hier kreativ sein, sodass unsere Gemeinden immer mehr ein Abbild Deiner Liebe zu uns werden. 

Schöpfer Gott, wir danken Dir für diese wunderbare Welt. Durch Torheit, Gier und Hass wird täglich so viel zerstört.
Der Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen geht unwiederbringlich verloren. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass sich die Natur zu erholen beginnt und dass wir noch eine Chance haben könnten, um die Notbremse zu ziehen.

Ermutige uns Menschen aufzustehen, um sich für Umweltprojekte einzusetzen. Gib unseren Kindern Kraft und Wissen zu lernen, was diese Erde braucht, damit sie eine gute Zukunft haben. Lass uns Eltern und Großeltern aufstehen und mutig fordern, dass die Regierenden in allen Ländern den Schutz der Erde über alles stellen. Lass die Regierungschefs der ganzen Welt erkennen, dass wir nur überleben können, wenn es Solidarität zwischen Umwelt und all deinen Geschöpfen gibt.

Schöpfer GOTT, lass uns nie vergessen, dass DU unser Lebensspender bist. DU bist in uns und mit uns.
Lass uns erkennen, dass wir ohne DEINE Hilfe machtlos sind.

Wir bitten DICH, halte DEINE liebevollen Arme über uns ausgebreitet und heile unser Leben, heile deine Schöpfung, damit wir stark genug sind und werden, selbst Beschützer-innen der Welt, deiner Schöpfung zu sein.

Lehre uns den Wert von allen Geschöpfen und Dingen zu entdecken, zu erkennen und voll Bewunderung zu betrachten.

Schenke uns Barmherzigkeit und Güte, damit wir DEIN Licht, DEINE Zuversicht und DEINE Hoffnung weitergeben können.
Darum bitten wir in JESU Namen. AMEN.

Lied 134,1-5 „Einer ist unser Leben“ (Musikvideo)

+ Hinweis auf die SommerSammlung

Die Kollekte beim abschließenden Gottesdienst der Frauenfreizeit ist jeweils dem Projekt der SommerSammlung gewidmet. Das Frauennetzwerk der EmK Österreich unterstützt jeweils über mehrere Jahre zwei Hilfsprojekte aus unserer weltweiten Kirche. Dazu kommt ein jährlich wechselndes Projekt aus Europa für die SommerSammlung. Das möchten wir euch heute vorstellen.
Es geht um die Unterstützung von Roma-Kindern in Ohrid/Nordmazedonien. Eine Lehrerin aus einer methodistischen Gemeinde des Landes ist in diesen Ort gezogen. Sie hat gemerkt, dass Roma-Kinder weniger oft die Schule abschließen als andere Kinder. Seit einigen Jahren unterstützt sie die Kinder mit einer Sommerschule. Sie übt mit ihnen Umgangsformen ein, die es ihnen erleichtern, dem Unterricht zu folgen. Auch praktisches Wissen für den Alltag wird vermittelt. Über die Jahre ist das Vertrauen gewachsen. Nun können auch schwierigere Themen angesprochen werden, z.B. die Beratung von Teenager-Mädchen in Sachen Sexualität und Verhütung oder Gespräche mit den Eltern über Erziehungsfragen.
Weitere Unterlagen dazu findet ihr auch auf unserer Website.

Wie könnt ihr dieses Projekt unterstützen?
In anderen Jahren haben manche Frauenkreise der Gemeinden in der Zeit von Juni bis August an einem Sonntag Strudel gebacken und nach dem Gottesdienst zum Verkauf angeboten. Diese Möglichkeit haben wir heuer nicht. Aber vielleicht habt ihr sonst eine Idee, wie ihr durch eine Aktion unsere SommerSammlung unterstützen könnt.
Eure Spende oder den Erlös eurer Aktion könnt ihr entweder auf das Konto des Frauennetzwerks überweisen:

Frauennetzwerk EmK Österreich
AT97 2011 1828 2113 7102
Vermerk: „SommerSammlung 2020“

Oder ihr könnt es auf das Konto eurer Gemeinde mit demselben Vermerk überweisen. Die Spenden werden dann gesammelt ans Frauennetzwerk weitergeleitet.

+ Dankgebet

Treuer und barmherziger Gott,
du hast uns in den vergangenen Tagen und Wochen begleitet und bewahrt. Es hat uns an nichts gefehlt. Wir haben vielmehr gelernt, auch mit Einschränkungen gut zu leben. Dafür danken wir dir.
Wir wollen in dieser Zeit nicht nur an uns selbst denken und um das bitten, was wir zum Leben brauchen. Wir wissen, dass es an anderen Orten auf dieser Erde viel schwieriger ist. Du gibst uns die Möglichkeit zu helfen. Lass uns das mit Freude und Großzügigkeit tun. So kann dein Segen, den wir erfahren auf andere überfließen.
Gemeinsam wollen wir miteinander und füreinander beten:

Unser Vater im Himmel…

Hinweise

Das „eigentlich wäre jetzt …“ geht auch nächsten Sonntag weiter. Eigentlich würde von kommenden Donnerstag bis zum nächsten Sonntag die Jährliche Konferenz, unsere Synode, in Salzburg tagen. Wir hätten einiges zu beraten und zu beschließen. Das wird nun auf schriftlichem Weg geschehen. Aber miteinander feiern, das können wir nächsten Sonntag allemal. Der Gottesdienst kommt wieder aus Wien. Laienpastor Wolfgang Grabensteiner aus St. Pölten wird predigen und Superintendent Stefan Schröckenfuchs wird den Gottesdienst leiten.

Lied 353,1-3 „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Musikvideo)

+ Segen

Gott sei mit dir.
Gott sei dir Freundin.
Sie hat dir die Erde geschenkt
und den Himmel als Dach.
Sie wird deine Tage hell machen
und dich vor den Götzen schützen.
Sie geht mit dir in ein Land,
wo es leichter sein wird,
gut zu sein.
Amen.
(Dorothee Sölle)

Musik


Die Lesungen sind der Luther Bibel 1984 und 2017 entnommen, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart