• Lieder aus dem Gesangbuch der EmK (EM) bzw. Himmelweit (HW).
  • Grau hinterlegte Textangaben können durch anklicken eingeblendet werden. Alternativ kann die eigene Bibel verwendet werden.

Gottesdienstliturgie

Eingangsmusik

Begrüßung und Einführung zum Gottesdienst
von Pastor Stefan Schröckenfuchs

Liebe Schwestern und Brüder,

ein herzlicher Gruß zu Beginn unseres Gottesdienst! Euch, die ihr den Gottesdienst selbst als Hausgottesdienst feiert; euch, die ihr via zoom oder Livestream mitfeiert, und euch, die ihr euch hier in der Kirche zum Gottesdienst eingefunden habt! Gottes Geist ist es, der uns verbindet – über alle Grenzen hinweg. Von Gottes Geist hören wir auch schon heute – am Sonntag vor Pfingsten!

Feiern wir diesen Gottesdienst in der Gegenwart Gottes, der uns begegnet als Schöpfer: die ganze Welt ist eine wunderbare Zeugin seiner Kreativität!

Feiern wir in der Gegenwart Gottes, der in Jesu Christi ein menschliches Gesicht angenommen hat.

Und feiern wir in der Gegenwart Gottes, dessen Geist uns erfüllt und der unsere Herzen erwärmt!

Lied himmelweit 58 „Herr, ich komme zu dir“ (Musikvideo)

Eingangsgebet

Vater im Himmel, viele von uns fühlen sich in der Coronakrise nicht wohl und haben immer wieder Ängste. So viele Fragen schießen durch unsere Köpfe. Wie geht es jetzt weiter?  Ein jeder fragt sich: „Bleibe ich gesund oder habe ich auch schon den Virus? Wie geht es den erkrankten Menschen?“

Mit all diesen Ängsten und Zweifeln kommen wir zu dir. Woche für Woche feiern wir am Sonntag Gottesdienst trotz der veränderten Situation. Wir sehnen uns nach dem Zuspruch deines Wortes. Aber oft können wir dein Wort nicht so vernehmen, wie es für uns gut wäre. Es fällt uns schwer, die Gedanken, die uns beschäftigen hinter uns zu lassen.

Vater im Himmel, wie gut ist es da, dass wir vor dir unsere Klagen ausbreiten dürfen in der Zuversicht, dass du die Verhältnisse ändern kannst. Lass uns daran festhalten, dass du ein Gott bist, der uns zuhört und der uns in unserem Leben in allen Situationen begleiten will.  Lass uns begreifen, dass wir frei werden, wenn wir deinem Willen beachten, und dass wir zur Ruhe kommen, wenn wir dir nachfolgen.

Vater im Himmel, schenke uns die nötige Aufmerksamkeit für dein Wort, das wir heute in diesem Gottesdienst hören und bedenken wollen. Lass uns aus deinem Wort Kraft schöpfen, Kraft, die Auswirkung hat auf unser Denken, Reden und Handeln. 

Barmherziger Gott, gib uns deinen Geist der Solidarität und Stärke, der Hoffnung und Zuversicht. Das bitten wir in Jesu Namen. Amen.

Lied 24 „Dir, Gott, sei die Ehre“

+ 24. Mai – „Aldersgate Day“

(im Online-Gottesdienst gibt es an dieser Stelle eine Kindergeschichte)

Der 24. Mai 1738 (als heute vor 282 Jahren) war ein wichtiger Tag im Leben von John Wesley, einem der Gründer der Methodistischen Bewegung. Eher widerwillig, wie er in seinem Tagebuch festhält, besuchte er am Abend eine Art Bibelstunde in der Aldersgate Street. Doch als im Rahmen dieser Versammlung aus dem Vorwort Martin Luthers zum Römerbrief vorgelesen wurde, da fühlte John Wesley plötzlich, wie sich sein Herz erwärmte. In seinem Tagebuch notierte er:

„I felt I did trust in Christ, Christ alone, for salvation; and an assurance was given me that he had taken away my sins, even mine, and saved me from the law of sin and death.“ (Ich fühlte, dass ich auf Christus vertraute, auf Christus allein für meine Erlösung; und mir wurde eine Gewissheit geschenkt, dass er meine Sünden weggenommen hatte, tatsächlich meine, und mich vom Gesetzt der Sünde und des Todes errettete.)

Diese Herzenserfahrung wurde zur wesentlichen Antriebskraft im Leben John Wesleys, das Wort von der befreienden Liebe Gottes anderen weiterzusagen – insbesondere jenen, die von der Kirche seiner Zeit nicht erreicht wurden: den Armen, den Arbeitern, den Menschen in Gefängnissen und Slums.

Kinderlied „Vom Anfang bis zum Ende hält Gott seine Hände“

Vom Anfang bis zum Ende
hält Gott seine Hände
über mir, und über dir.
Ja, er hat es versprochen,
hat nie sein Wort gebrochen:
„Glaube mir: ich bin bei dir!
Immer und über all,
Immer und über all,
Immer bin ich da!“

+ Psalm 68,1-13 + 32-36

Gott steht auf; so werden seine Feinde zerstreut,
und die ihn hassen, fliehen vor ihm.

Wie Rauch verweht, so verwehen sie;
wie Wachs zerschmilzt vor dem Feuer, so kommen die Gottlosen um vor Gott.

Die Gerechten aber freuen sich / und sind fröhlich vor Gott
und freuen sich von Herzen.

Singet Gott, lobsinget seinem Namen! /
Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt;
er heißt HERR. Freuet euch vor ihm!

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen
ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, / der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe;
aber die Abtrünnigen lässt er bleiben in dürrem Lande.

Gott, als du vor deinem Volk herzogst,
als du einhergingst in der Wüste,

da bebte die Erde, / und die Himmel troffen vor Gott – am Sinai –,
vor Gott, dem Gott Israels.

Du gabst, Gott, einen gnädigen Regen,
und dein Erbe, das dürre war, erquicktest du,

dass deine Herde darin wohnen konnte.
Gott, du labst die Elenden in deiner Güte.

Der Herr gibt ein Wort –
der Freudenbotinnen ist eine große Schar –:

Die Könige der Heerscharen fliehen, sie fliehen,
und die Frauen teilen die Beute aus.

Ihr Königreiche auf Erden, singet Gott,
lobsinget dem Herrn!  

Er fährt einher durch die Himmel,
die von Anbeginn sind.
Siehe, er lässt seine Stimme erschallen, eine gewaltige Stimme.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel
und seine Macht in den Wolken.

Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum; / er ist Israels Gott.
Er wird dem Volke Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!

Lied 34 Lob, Anbetung (Musikvideo)

+ Lesung Apostelgeschichte 1,6-14

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?  

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;  

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.  

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.  

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.  

13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus.  

14 Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. 

Lied 464 (2x) „Halleluja“ (Musikvideo)

+ Predigt von Wolfgang Grabensteiner

Liebe Geschwister im Glauben!

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ Ich vermute, jeder von uns hat da so seine Bilder im Kopf. Bei vielen von euch werden es die Bilder von Pfingsten sein, die Taube, die Feuerzungen, die Predigt des Petrus, aber das wäre heute eine Woche zu früh, zumindest wenn man sich ans Kirchenjahr hält.

Erlaubt mir, bei meinen Bildern im Kopf mit einer Kindheitserinnerung anzufangen. Ich bin katholisch sozialisiert, das heißt ich habe es quasi „amtlich“, dass ich den Heiligen Geist empfangen habe, sprich: ich wurde gefirmt. Meine Patentante und mein Patenonkel haben sich alle Mühe gegeben, dass dieser Tag etwas Besonderes für mich wird. Erste Regel: Andere Familienmitglieder waren verboten mit dem Argument, dass es bei uns zu Hause ja immer nur um die kranken Großeltern und um die kleinen Brüder ging. Einen Tag wenigstens sollte der Wolfgang im Mittelpunkt stehen, der sich sonst angeblich oft sehr zurück nehmen musste. Auch wenn das jetzt nicht alle glauben: Ich war ein braves Kind, dafür gibt es Zeugen. Wir sind also nach der Firmung im Dom zu St. Pölten fein essen gegangen. Ich weiß heute noch, was ich gegessen habe: Schweinsmedaillons mit Kroketten und Kohlsprossen. Besonders die Kohlsprossen hatten es mir angetan, die ich zum ersten Mal in meinem Leben aß. Und dann ging es ganz klassisch in den Prater, ich befürchte, die zwei haben an diesem Tag viel Geld ausgegeben, aber sie hatten auch ihren Spaß, vielleicht mehr als ich…….

Mir selbst ging es aber auch um das Religiöse an diesem Tag. Ich hatte einen supertollen Firmunterricht mit einer supertollen Religionslehrerin, in dem ich unter anderem Menschen wie Anne Frank, Maximilian Kolbe oder Dietrich Bonhoeffer näher kennenlernen durfte – mutige Menschen, die offensichtlich die Kraft des Heiligen Geistes empfangen hatten. Ich habe mir von der Firmung etwas erwartet. Ich stand in dieser langen Schlange bei dieser Massenabfertigung im Dom und habe mir etwas erwartet. Und dann war ich binnen weniger Sekunden gefirmt, ging zurück auf meinen Platz und da war – nichts, überhaupt nichts.

Ich war enttäuscht, aber aus irgendeinem Grund bin ich dran geblieben. Ich war – wie man so schön sagt – „kirchlich aktiv“, Ministrant, Jungschar, Pfarrgemeinderat, bis hin zu Schnuppertagen im Kloster. Der Militärdienst war ein Dämpfer in meinem Lebenslauf, danach habe ich eine Bankausbildung begonnen. Eines Tages war ich auf einem Kurs in Wien, hätte eigentlich am Abend lernen sollen, bin aber ziellos spazieren gegangen und in der Rochuskirche gelandet. Dort hat gerade eine Messe begonnen. Und dann hat es mich gepackt, es wurde mir „warm ums Herz“, hätte John Wesley formuliert, ich habe den ganzen Gottesdienst durchgeheult und gewusst, er meint mich. Er meint wirklich mich.

Ich fühle mich da tatsächlich mit John Wesley ein bisschen seelenverwandt, wenn ich das mit allem Respekt sagen darf. Er hat sich auch jahrelang in der Großkirche seines Landes gemüht, mit einer bestimmten „Methode“ zum Glauben zu kommen, bevor er bei einer kirchlichen Routineveranstaltung seine Bekehrung erleben durfte, die sich am heutigen Tage jährt. Auf der einen Seite der Ritus, die Routine, die Gnadenmittel, wie wir Methodisten zu sagen pflegen, in denen uns Gott jederzeit begegnen kann, auf der anderen Seite die unmittelbare Emotion, vielleicht sogar Ekstase, die dem Einzelnen unmittelbare Gewissheit schenken kann, wenn auch oft nur für einen Augenblick.

Wir erkennen hier zwei „Hauptschienen“, wie Kraft des Heiligen Geistes empfangen werden kann. Auf der einen Schiene tatsächlich im Ritus, nicht immer unmittelbar, manchmal sogar fürchterlich langweilig, aber doch in einem Hineingenommen sein in eine „Wolke von Zeugen“, die miteinander dieses Geheimnis feiern und gefeiert haben. Menschen, die solche Rituale schätzen, haben in der Bibel mindestens das mosaische Gesetz zum Zeugen, wo es vor religiösen Ritualen nur so wimmelt, auch wenn vieles für uns heute so nicht mehr funktionieren kann. Besonders eindrücklich kann man das in orthodoxen Riten erleben, die sich über ein gutes Jahrtausend hinweg kaum mehr verändert haben. Man wollte nach der großen Trennung der Kirchen nicht die Verbindung mit den geisterfüllten Zeugen des Ursprungs verlieren. Da kann sich manch orthodoxer Theologe sogar zu der Aussage versteigen, die Orthodoxe Kirche sei die Kirche des Heiligen Geistes. Solange er das nicht exklusiv versteht, mag ich ihn gewähren lassen.

Heftigen Widerspruch wird er allerdings von jenen erfahren, denen es bei Geisterfüllung vor allem um die unmittelbare Emotion geht, die man möglichst bei jeder religiösen Handlung anstreben soll. Ich war mit meiner Familie vor einiger Zeit bei einer Kindersegnung in so einer Gemeinde, in der das ganz wichtig ist. Und ich gebe zu, dass wir uns nicht recht wohl gefühlt haben, und das nicht nur, weil meine Frau die Einzige ohne Kopftuch war.

Obwohl ich selbst bei mir schon solche Emotion erlebt habe, hätte ich da schon meine Fragen: ob das alles echt sein kann, auch wenn ich niemandem seine unmittelbare Erfahrung madig machen möchte. Im Gegenteil habe ich großen Respekt davor – solange er das nicht exklusiv versteht, mag ich ihn gewähren lassen.

Gibt es noch andere „Schienen“, auf denen die Kraft des Heiligen Geistes erfahren werden kann? Ach ja, da gibt es noch dieses moderne, liberale Zeugs, wo sich die Kirche dann noch um Soziales, um Umwelt und um Gleichberechtigung und solchen Firlefanz kümmern soll. Das ist nichts für fromme Leute. Ist es nicht? Wenn ihr wirklich dieser Meinung sein solltet, dann habt ihr den Psalm 68 heute nicht aufmerksam mitgebetet!

Der Psalm ist über jeden Zweifel erhaben, modernes, liberales Zeugs zu sein. Sein Grundbestand ist vielleicht einer der ältesten Texte der Bibel überhaupt, jedenfalls so alt, dass sich die besten Hebräisch-Gelehrten der Welt abmühen, jeden Satz und jedes Wort letztgültig erklären zu können. Da ist zum Beispiel von dem Gott die Rede, „der durch die Wüste einherfährt“. Wobei das hebräische Wort hier eher reiten statt fahren meint. Wahrscheinlich ist das eine Anspielung auf eine alte kanaanäische Gottheit, den „Wolkenreiter“. Dass diese Vorstellung einfach auf den Gott Israels übertragen wird, ist übrigens eine interessante Parallele zu der Predigt vorige Woche, wo es Paulus war, der in Athen vor dem Tempel „des unbekannten Gottes“ predigt, und diesen als den Gott seiner Verkündigung interpretiert. Wenn man an einen Gott glaubt, hat man wenig Probleme, Vorstellungen anderer Religionen in das eigene Gottesbild zu integrieren, nur weil sie von einer anderen Religion stammen.

So erlebe ich das oft, wenn ich mit muslimischen Jugendlichen diskutiere, die an den Ausbildungsprogrammen teilnehmen, die ich seit vielen Jahren in NÖ pädagogisch verantworte. Wir reden von Gott und Allah in dem Bewusstsein, dass wir von demselben einen Gott reden, alles andere wäre unlogisch. Da unterscheiden sich nicht zwei Götter voneinander, sondern unsere Gottesbilder, unsere religiösen Meinungen und unsere religiöse Praxis. „Allahu akbar“ ist nichts anderes als die sinngemäße Übersetzung unseres ersten Gebots. Dass es von Terroristen mussbraucht wird, ändert daran nichts – das Kreuz wurde auch schon oft genug missbraucht.

Zurück zu Psalm 68: Es ist ein martialischer Text, in dem Gott als siegreicher Kriegsherr in seinem Heiligtum einzieht. Die Leseordnung erspart uns die blutrünstigsten Sätze. Viel interessanter für mich ist da schon, was nach diesem Sieg in diesem neuen „Reich Gottes“ alles passieren wird. Ihr dürft dabei ruhig im Hinterkopf behalten, dass ein gewisser Jesus viele hundert Jahre später das Hereinbrechen dieses Reiches Gottes verkünden wird.

Vers 6 zum Beispiel: Er wird ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen sein. Dieses Motiv kommt so oft in der biblischen Verkündigung, dass man es getrost als einen Grundrechtsartikel einer „Verfassung“ des Reiches Gottes bezeichnen kann. Waisen und Witwen sind die Platzhalter für alle Benachteiligten unserer kapitalistischen, patriarchalen Unrechtsgesellschaft, an der sich seit Tausenden von Jahren nur wenig geändert hat. Wer sich als Christ bekennt und damit behauptet, dieses Buch ernst zu nehmen, der kann nicht einfach unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge am Rande dieses ach so christlichen Europas ihrem Schicksal überlassen; der kann nicht akzeptieren, dass in diesem ach so christlichen Österreich, das eigentlich im Überfluss lebt, viele Tausend Kinder in Armut aufwachsen; der kann nicht hinnehmen, dass hier Tausende Jugendliche ohne abgeschlossene Ausbildung und damit ohne Lebensperspektiven bleiben usw. 

Oder Vers 7: wir bekennen uns zu einem Gott, der die Einsamen nach Hause bringt. Es ist einer der immer wieder genannten positiven Aspekte der Coronakrise, dass wir diesem Problem ein bisschen mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben: Wir leben in einer Gesellschaft der Einsamen, und es ist eine Einsamkeit, die krank macht. Es ist kein freiwillig gewähltes Alleinsein eines Eremiten, es ist ein gesellschaftlich aufgezwungenes. Das führt unser Altbischof Heinrich Bolleter in seinem neuen Blog näher aus, den ich hiermit wärmstens empfehle. 

Es geht aber im Psalm noch weiter: Es ist ein Gott, „der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe“. Meistens, wenn in der Bibel von Gefangenen die Rede ist, sind damit keine kriminellen Halsabschneider gemeint, sondern Kriegsgefangene, Verschleppte, ungerecht von diversen Machthabern ins Gefängnis gesteckte. Da stößt es mir schon sauer auf, wenn es viele in diesem christlichen Europa gar nicht erwarten können, wieder in Länder auf Urlaub fliegen zu können, in der die Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Tausende ungerecht gefangen oder getötet werden. Und die anderen können es nicht erwarten, wieder mit solchen Ländern gute Geschäfte zu machen.

John Wesley hat wohl auch solche Bibelstellen als Motivation genommen, um gegen die Sklaverei vorzugehen. Darauf können wir Methodisten wirklich stolz sein, dass „wir“ das geschafft haben: die Sklaverei ist abgeschafft. Wie bitte?! Unsere 24-Stunden-Pflegerinnen, die auch in den letzten Wochen stärker in den Blick der Öffentlichkeit geraten sind, zum Beispiel: für mich legalisierte Sklaverei. Ich weiß, viele werden eh von ihren Familien gut behandelt, aber das haben die Sklaven vor 200 Jahren auch gesagt. Ich bitte um Entschuldigung, da bin ich hart. Ja, sie werden nicht mehr in eiserne Ketten gelegt, die Ketten der wirtschaftlichen Abhängigkeit genügen. Dadurch, dass ich rumänisch kann, habe ich mir schon mehrfach die wahren Leidensgeschichten von Pflegerinnen persönlich angehört, erst letzten Samstag wieder – glaubt mir, bis zur Abschaffung der Sklaverei haben wir Methodisten noch viel zu tun, überall auf der Welt! 

Anderes Thema: Vers 11: „Du gabst Gott, einen gnädigen Regen, und dein Erbe, dass dürre war, erquickst du, dass deine Herde darin wohnen konnte.“ Glaubt mir, wir in Niederösterreich wissen, was ein „gnädiger Regen“ ist und wie schmerzlich man ihn vermissen kann. Mein eigener Brunnen ist ausgetrocknet, viele Bauern fürchten um ihre Existenz, an vielen gesunden, regionalen Lebensmitteln wird heuer Mangel herrschen. Und das ist wahrscheinlich erst der Anfang. Es sollte jeder von uns Gott inständig um die Bewahrung der Schöpfung bitten und im gleichen Atemzug ernsthaft darüber nachdenken, was er selbst dazu beitragen kann und es dann auch tun, jetzt, nicht irgendwann.

Noch viele Grundrechtsartikel einer Verfassung eines Reiches Gottes könnte ich anführen, aber einen habe ich noch, den erlaubt mir noch. Bitte! Vers 13: „Die Frauen teilen die Beute aus.“ Was für ein feministischer Hammersatz ist das denn bitte!! Da wird mit einem kurzen Satz alles auf den Kopf gestellt, was in der damaligen Zeit angeblich überall üblich war und viele noch immer glauben, dass das nach der Bibel so sein „muss“. Da sind aber keine braven Hausfrauen, die zu Hause bei Küche und Kindern warten, um dann ihren erfolgreichen Männern bei der Heimkehr zuzujubeln, um dann gnädig mit einer Perlenkette, einem Seidenkleid oder einem Geschirrspüler beschenkt zu werden. Hier haben die Frauen das Kommando und ich vermute, dass sie die vorhandenen Güter wesentlich gerechter aufteilen als Männer es tun.

Diesen urbiblischen Feminismus hätte uns die Leseordnung übrigens verschwiegen, ich musste extra den Ausschnitt erweitern, um diesen auf den ersten Blick unscheinbaren Satz aus seinem Versteck zu holen. John Wesley – um den am heutigen Datum bekehrten noch einmal zu Ehren kommen zu lassen – John Wesley hatte schon recht, wenn er uns mahnt, die ganze Bibel zu lesen, und nicht immer nur vermeintliche Lieblingsstücke. Manches Kleinod und manche revolutionäre Erkenntnis würde man sonst übersehen.

Zusammengefasst: Wie kann man Kraft des Heiligen Geistes empfangen? Die einen fühlen sich in Ritualen wohl und nutzen die Gnadenmittel der Kirche, wieder andere suchen die unmittelbare Erfahrung, die starke Emotion und wieder andere kommen ins Tun, um dem Heiligen Geist zu begegnen. Ich weigere mich standhaft, daraus Gegensätze zu produzieren, den einen oder anderen Weg als exklusiv richtigen zu verkünden und damit anderen die Kraft des Heiligen Geistes abzusprechen. Und ich weiß mich da auf einem guten methodistischen Weg und glaube in aller Bescheidenheit, das Lebenszeugnis von John Wesley in diesem Sinne richtig verstanden zu haben. So können wir – nach den Worten Jesu – seine Zeugen werden bis an das Ende der Welt!

Seid gewiss: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!“ Auf die eine oder andere Weise.

Amen.

Lied 260,1-3 „Heiliger Geist, rühr mein Herz an(Musikvideo)

+ Fürbitten

Barmherziger Gott!
All unsere Sorgen befehlen wir in deine Hand, damit wir sie loslassen können. Wir sehnen uns nach deinem Frieden, für uns selbst und für alle Menschen.
Wir bitten dich: sei mit deinem Geist der Hoffnung dort, wo Menschen aufgeben wollen und nicht mehr auf Veränderung hoffen. Nimm der Mutlosigkeit die Macht und mache uns stark, neue Wege zu suchen.
Sei mit deinem Geist des Friedens dort, wo Menschen sich hassen und verachten und aufgestachelt werden zu Terror und Mord. Zerbrich den Kreislauf der Gewalt und lass die Menschen den Weg deines Sohnes finden, der zur Versöhnung führt und zur Achtung der Würde jedes Menschen.
Lass unser ganzes Leben in deinen Händen aufgehoben sein. Mache dein Wort lebendig unter uns! Lass dein Reich anbrechen unter uns!
Amen

Lied 260,4-5 „Heiliger Geist, rühr mein Herz an

+ Kollekte

Meine Kolleg*innen und ich haben in den vergangenen Wochen auf ganz verschiedene Weise darauf hingewiesen, wie man auch jetzt seine Kollekte für die Gemeinde sammeln, überweisen usw. kann. Ich möchte dies heute nicht um eine weitere Variante erweitern, sondern stattdessen ein herzliches Danke sagen! Danke dafür, dass ihr in den vergangenen Wochen das Gemeindeleben weiterhin getragen habt – obwohl es nur virtuell stattfinden konnte.

Ich möchte aber auch Danke sagen, an alle, die in den letzten Wochen auf andere Weise vieles gemacht und getragen haben. Einerseits meine Kolleg*innen, die in den letzten Wochen sehr viel Einsatz und Kreativität gezeigt haben, um auch unter diesen Umständen kirchliches Leben zu organisieren und das Wort von der Liebe Gottes zu verkündigen. Wir haben sehr unterschiedliche Kanäle genutzt, und das war nicht wenig Arbeit. Und danken möchte ich auch allen anderen, die auf die verschiedenen Weisen mitgeholfen und beigetragen haben – von der Musik über technischen Support oder Fotos und so weiter. Und ich danke euch auch für eure Geduld, wenn manchmal die Technik nicht so mitspielt, wie man möchte.

Seit vergangener Woche dürfen ja wieder – zumindest im kleinen Kreis – Gottesdienste stattfinden. Und ich hoffe, dass das im Juni noch ein Stück leichter wird. In diesem Sinne werden wir das Angebot auf dem blog etwas zurückfahren, und in den Gemeinden wird hoffentlich wieder mehr „vor Ort“ stattfinden können. Manches wird anders sein als vor Corona, aber es werden auch wieder viele Dienste nötig sein, die sonst zum Gemeindeleben gehören. Ich danke jetzt schon allen, die dann wieder bei diesen Diensten mit anpacken. Das langsame wieder Aufsperren ist komplizierter als der Shutdown. Gott aber ist uns treu, darum wollen wir ihm danken:

+ Dankgebet

Treuer und barmherziger Gott,
der du ein Gott der Neuanfänge bist. Wir danken dir für deine Begleitung und Nähe auch in diesen Tagen, in denen wir Abstand halten sollen und viele anders ist als wir es uns wünschen.

Du hast uns unser Leben geschenkt, Boden unter den Füßen, eine Erde, die Nahrung bringt; und du beschenkst uns mit vielfältigen Gaben. Dafür danken wir dir. Segne uns, wo wir diese Geschenke miteinander teilen und so einsetzen, dass sie dir zur Ehre und uns Menschen zum Wohl dienen. Schenk uns ein fröhliches und leichtes Herz, das gerne nimmt und gerne gibt, und das erfüllt ist von deiner Liebe!

Gemeinsam wollen wir miteinander und füreinander beten:

Unser Vater im Himmel…

Hinweise

Am nächsten Sonntag ist der Pfingstsonntag. Es wäre das Wochenende, an dem das Pfingstjugendwochenende stattfinden sollte. Auch dieses Treffen musste abgesagt werden. Der Gottesdienst wird auch nächsten Sonntag via Zoom und Livestream übertragen; Pastor Martin Obermeir-Siegrist wird predigen und den Gottesdienst mit Mitwirkenden aus dem Kinder- und Jugendwerk gestalten, der Gottesdienst wird aus Graz übertragen. Auch im Juni wird an jedem Sonntag ein Gottesdienst aus Wien oder Graz übertragen; je nachdem welche Rahmenbedingungen im Juni gelten, und auch abhängig von der Gemeindesituation, werden wir aber eben auch versuchen, möglichst schon Gottesdienste in den Gemeinden zu haben. Die Details dazu bekommt ihr wie immer von eurer Pastorin oder eurem Pastor!

Lied 500,1-4 „Nun segne und behüte uns“ (Musikvideo)

+ Segen

Der Herr
voller Liebe wie eine Mutter und gut wie ein Vater
Er segne dich
erlasse dein Leben gedeihen, er lasse deine Hoffnung erblühen, er lasse deine Früchte reifen.
Der Herr behüte dich
er umarme dich in deiner Angst, er stelle sich vor dich in deiner Not.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
wie ein zärtlicher Blick erwärmt, so überwind er bei dir, was erstarrt ist.
Er sei dir gnädig
wenn Schuld dich drückt, dann lasse er dich aufatmen und mache dich frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich
er sehe dein Leid, er tröste und heile dich.
Er gebe dir Frieden
das Wohl des Leibes, das Heil deiner Seele, die Zukunft deinen Kindern.
Amen

Musik


Die Lesungen sind der Luther Bibel 1984 entnommen, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart