Hier gibt es verschiedene Ressourcen für den Sonntag, 14.6.

Predigt Von Pastor Stefan Schröckenfuchs aus dem Livestream (ganz oben)

Liedvorschläge für Sonntag, 14. Juni

  • Eingangslied 39,1-3 und nach dem Gebet 4. Strophe „Gott Abrahams sei Preis“ Musikvideo
  • Nach der Lesung von Römer 5,1-8: 323,1-4 „Liebe, komm herab zur Erde“ Musikvideo
  • Nach dem Evangelium 133,1-3 „Halleluja, halleluja, dankt dem Auferstandenen“ Musikvideo
  • Nach der Predigt: 543,1-4 „Herr, gib den starken Glauben mir“ Musikvideo
  • Schlusslied 310 „Lead me Lord“ Musikvideo

Schriftliche Predigt

von Pastor in Ruhe Helmut Nausner

Röm. 5, 1-8

1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus;

2 durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt,

4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.

5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere  Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

6 Denn Christus ist schon in der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben.

7 Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um eines Guten willen, wagt er vielleicht sein Leben.

8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Römerbrief ist ein gewichtiges theologisches Zeugnis des Glaubens. Dieses Zeugnis hat Martin Luther erweckt und ihn zum Reformator gemacht. Der Text für diese Predigt kommt aus dem 5. Kapitel. Was ich aber gleich von Anfang an unterstreichen möchte, ist dies: Der Apostel Paulus entfaltet darin nicht theologische Theorien. In allen seinen theologischen Überlegungen kommt zeugnishaft zum Ausdruck, dass er mit Gott Erfahrungen gemacht hat. Wer Gott an sich handeln lässt, gewinnt Einsichten, die sich nicht dem eigenen scharfsichtigen Denken verdanken, sondern dem, was er mit Gott erlebt hat und erlebt. Was für ein Zeugnis kommt in diesen acht Versen zur Sprache? Ich lade euch ein, mit mir den Text aufmerksam zu lesen und uns dem Zeugnis des Apostels zu öffnen.

2. Paulus schreibt an eine Gemeinde, die durch andere Missionare ins Leben gerufen wurde. Er sucht den Kontakt mit der Gemeinde, weil er ihre Unterstützung für seine Mission im Westen des römischen Reiches gewinnen will. Er will die christliche Botschaft in Spanien verkündigen. In der Gemeinde in Rom leben Judenchristen und Heidenchristen miteinander. Sie unterstützen einander, aber sie haben auch ihre Probleme. Einige spricht er an. Gerade im Kapitel vier verweist er auf Abraham und macht deutlich, dass dieser der Vater im Glauben für Juden und Heiden ist. Denn die Gerechtigkeit aus Glauben wurde Abraham zugesprochen als er noch nicht beschnitten war. Diese Geschichte ist für Paulus ein klarer Beweis, dass es in der Beziehung zu Gott nicht darauf ankommt, ob jemand beschnitten oder unbeschnitten ist, also darauf, ob einer Jude oder Heide ist, sondern ob er/sie an Gott glaubt. Darum kann er den Satz formulieren: »…wenn wir glauben an den, der unseren Herrn Jesus Christus auferweckt hat von den Toten, welcher ist um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt. (Röm. 4, 24-25)« Auf den Glauben kommt es an. Abraham hat Gott geglaubt und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Zu solchem Glauben werden wir eingeladen. Wer so glaubt, dessen Leben verändert sich grundlegend. Und von dieser Veränderung spricht Paulus.

3. »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott…«. Paulus gebraucht das »wir«. Er hätte ja auch schreiben können: nachdem ihr gerecht geworden seid… Dann wäre er der Beobachter, der den Glauben der anderen beurteilt. Er sagt »wir« und bringt damit zum Ausdruck: Wir teilen die gleiche Erfahrung, ihr in Rom, ich in Korinth. Wir können einander bestätigen: Wer glaubt, hat Frieden mit Gott. In diesem Frieden leben wir. Es ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft. So schreibt es der Apostel an die Gemeinde in Philippi und sagt im Brief an die Epheser: Er, Jesus, ist unser Friede, und er nennt Gott an anderen Stellen den Gott des Friedens. Ich möchte das, was den Frieden ausmacht, mit einer Erfahrung verdeutlichen. Mit allen lebendigen Wesen teilen wir auch als Menschen bestimmte instinktive Verhaltensmuster. In einer Gefahrensituation, wenn wir uns bedroht fühlen, gibt es drei mögliche Reaktionen: 1) wir greifen an und verhalten uns aggressiv; 2) wir stellen uns tot und 3) wir ergreifen die Flucht. So verhalten sich Menschen auch Gott gegenüber. Wenn Friede geschenkt und erfahren wird, sind solche Reaktionen nicht mehr nötig. Wir können dann fröhlich vom Frieden singen und uns seiner freuen. Wir leben nicht mehr unter dem Zwang unserer Instinkte, sondern können uns der Gegenwart Gottes erfreuen und uns frei bewegen. 

4. Paulus setzt noch einen weiteren Akzent, um die neue Beziehung zu Gott verstehbar zu machen. Er schreibt: »…durch (Jesus Christus) haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird«. Mit dem Wort »Zugang« erinnert Paulus an bestimmte Regelungen für den priesterlichen Dienst im Tempel. Bestimmte Bereiche waren nur für den Priester zugänglich. Jetzt ist eine neue Situation entstanden: Menschen, die durch den Glauben gerecht geworden sind und als so Gerechtfertigte direkten Zugang zu Gott haben, sind als wären sie Priester. Der Zugang zu Gott ist jetzt möglich, jederzeit, ohne Voranmeldung oder Terminvergabe. Das ist ein Geschenk der Gnade Gottes. Und diese neue Erfahrung weckt die Hoffnung auf noch mehr, nämlich die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Was für überwältigende Aussichten! Gerechtfertigte durch den Glauben haben nicht nur Frieden mit Gott, sondern eine helle und mit göttlichem Glanz erleuchtete Zukunft. Bei der intensiven Beschäftigung mit dem Text spüre ich zwischen den Zeilen etwas von der freudigen Erregung beim Apostel im Blick auf die leuchtende Zukunft.

5. Dann aber kehrt er zum Alltag zurück und spricht von Bedrängnissen. Im Brief an die Korinther erzählt er von den vielen Schwierigkeiten, die er erlitten hat: Gefahren in der Natur, Überschwemmungen, Gefahren auf dem Meer, Schläge und Steinigungen, Gefängnisaufenthalte. Bei seinen Schilderungen ist aber kein Ton der Bitterkeit wahrzunehmen. Und hier im Brief an die Gemeinde in Rom schreibt er, dass er sich der Bedrängnisse rühmt. Denn so hat er Geduld gelernt. Im Griechischen gibt es zwei Worte für Geduld, Das eine meint den langen Atem, den ein Mensch für andere hat, eine Großzügigkeit. Es wird auch oft mit Langmut übersetzt. Das Wort, das der Apostel hier verwendet, meint eine Haltung, die unter einer Last bleibt und in einer schwierigen Situation ausharrt und nicht davon läuft. Und aus der Geduld erwächst Bewährung. Ein Mensch wächst und gewinnt eine Haltung, von der dann andere sagen: Auf den ist Verlass; der hält etwas aus.

Ich musste an dieser Stelle an meinen Vater denken. Er hat sich freiwillig gemeldet, als Missionar in ein armes weißrussisches Dorf zu ziehen. Große Armut, Trunkenheit und viel Gewalt hat das Leben im Dorf bestimmt. Nach zwei Jahren Predigttätigkeit hat sich nichts bewegt. Mein Vater war entmutigt und bat seinen Superintendent um eine Versetzung. Der war ein weiser und erfahrener Mann und sagte zu meinem Vater: Jetzt bist du in der richtigen Verfassung, denn jetzt erkennst du, dass es nicht auf dich ankommt, sondern allein auf Gott und sein Handeln. Du bleibst. Mein Vater blieb und hat so im biblischen Sinn Geduld gelernt; er hat ausgehalten und ist nicht davon gelaufen. Im nächsten Jahr haben sich Leute bekehrt und die Gemeinde ist gewachsen und das ganze Dorf hat sich verändert. Die Trunkenheit und die Gewalt haben aufgehört. Das ganze Dorf ist hell und freundlich geworden. Paulus schreibt hier auch gegen kirchliche Depression und Mutlosigkeit. Wir dürfen Gott um Menschen bitten, die ausharren und sich von Gott gebrauchen lassen zum Heil und Wohl vieler.

6. Der Apostel spricht von einer weiteren wichtigen Erfahrung. Wenn Menschen sich bewährt haben – und hier spricht der Apostel aus eigener Erfahrung – entsteht neue Hoffnung. Und er schreibt den Satz: »Hoffnung lässt nicht zuschanden werden«. Wer hofft, der hat noch nicht aufgegeben. Wer hofft, wartet auf Gott und rechnet mit seiner Hilfe. Und dann spricht er von einer überwältigenden Erfahrung: »Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist«. Gott steht uns nicht nur bei, in Bedrängnissen auszuharren und uns zu bewähren. Er füllt unsere Herzen mit seiner Liebe. Mit Herz ist in der Bibel immer das Zentrum eines Menschen gemeint. Und bei wem das Zentrum von der Liebe Gottes bestimmt ist, dessen Leben spiegelt in allen Situationen und in allen Beziehungen diese Liebe. Erst die Liebe Gottes macht uns zu liebenden Menschen. Unsere Liebe ist Antwort auf die Liebe Gottes. Diese Liebe macht es uns möglich, allen, die menschliches Antlitz tragen, mit Liebe, Respekt und Wohlwollen zu begegnen. Allen, ohne Rücksicht auf Farbe, Geschlecht, Rasse oder Alter. So wie Gott seine Sonne scheinen lässt auf Gute und Böse, und seinen Regen fallen lässt auf Gerechte und Ungerechte. Menschen, deren Herz erfüllt ist von der Liebe Gottes und entsprechend leben, sind eine Herausforderung in dieser Welt, die Menschen einteilt in Schwarze und Weiße, Arme und Reiche und ihnen mit Verachtung und bösem Willen begegnet. Aber sie sind auch ein Segen, weil ihr Leben etwas aufleuchten lässt vom Reiche Gottes und auf die helle Zukunft hinweist, die Gott für die Seinen bereit hält. 

7. John Wesley hat diesen Satz aus Römer 5,5 oft und in vielen Zusammenhängen zitiert. Angeregt von diesem Vers konnte er die Frage stellen: Wenn die Liebe Gottes das Herz ganz ausfüllt, ist dann noch Platz für die Sünde? Und darum hat er allen, die zum Dienst unter seiner Leitung bereit waren, die Frage gestellt: Erwartest du, in diesem Leben von Gott vollkommen gemacht zu werden in der Liebe? Jeder, der Pastor oder Pastorin in unserer Kirche werden will, muss noch immer diese Frage beantworten. Gott allein vermag einen Menschen zu verändern und zu erneuern. Und er tut es immer wieder und manchmal auf überraschende Weise. Das dürfen wir auch für uns erwarten und erbitten. Unsere Erwartungslosigkeit ist wahrscheinlich das größte Hindernis. Das können wir ändern, wenn wir uns Gott zuwenden. Dazu ermuntert uns das Evangelium. Und wir dürfen uns auch gegenseitig Mut machen, Gott alles zuzutrauen. Amen.

Helmut Nausner