Predigt von Stefan Schröckenfuchs für den 21.6.2020

Predigttext: Römer 6,1-14 (Basisbibel)

61 Was sollen wir dazu sagen?

Etwa:

»Lasst uns in unserer Sünde bleiben,

damit die Gnade noch größer wird!«?

2 Auf keinen Fall!

Für die Sünde sind wir ja tot.

Wie könnten wir da noch weiter in ihr leben?

3 Ihr wisst doch:

Bei unserer Taufe wurden wir förmlich

in Christus Jesus hineingetaucht.

So wurden wir bei der Taufe

in seinen Tod mit hineingenommen.

4 Und weil wir bei der Taufe

mit ihm gestorben sind,

wurden wir auch mit ihm begraben.

Aber Christus ist durch die Herrlichkeit des Vaters

vom Tod auferweckt worden.

Und genauso sollen auch wir jetzt ein neues Leben führen.

5 Denn wenn wir ihm im Tod gleich geworden sind,

werden wir es auch in der Auferstehung sein.

6 Wir wissen doch:

Der alte Mensch,

der wir früher waren,

ist mit Christus am Kreuz gestorben.

Dadurch wurde der Leib vernichtet,

der im Dienst der Sünde stand.

Jetzt sind wir ihr nicht mehr unterworfen.

7 Wer gestorben ist,

auf den hat die Sünde keinen Anspruch mehr.

8 Wenn wir nun mit Christus gestorben sind,

dann werden wir auch mit ihm leben.

Das ist unser Glaube.

9 Wir wissen doch,

dass Christus nicht mehr sterben wird,

nachdem er vom Tod auferweckt wurde.

Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

10 Denn dadurch, dass er gestorben ist,

ist er für die Sünde ein für alle Mal tot.

Aber das Leben,

das er jetzt lebt,

lebt er ganz für Gott.

11 Genau das sollt ihr auch von euch denken:

Für die Sünde seid ihr tot.

Aber ihr lebt für Gott,

weil ihr zu Christus Jesus gehört.

12 Euer sterblicher Leib soll nicht

von der Sünde beherrscht sein.

Sie will euch nur dazu bringen,

seinen Begierden zu gehorchen.

13 Stellt auch die Glieder eures Körpers nicht

in den Dienst der Sünde

sie sollen nicht Werkzeuge des Unrechts sein.

Stellt euch vielmehr ganz Gott zur Verfügung.

Denn ihr wart tot

und jetzt lebt ihr.

Stellt auch die Glieder eures Körpers in den Dienst Gottes –

sie sollen die Werkzeuge seiner Gerechtigkeit sein.

14 Die Sünde wird keine Macht mehr über euch haben.

Denn ihr steht nicht mehr unter dem Gesetz,

sondern unter der Gnade Gottes.

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Liebe Gemeinde,

stellt euch vor, in ein paar Wochen erfahren wir: endlich gibt es eine Corona-Impfung. Ihr geht zum Arzt, lasst euch impfen. Und nach ein paar Tagen werdet ihr getestet, und bekommt amtlich bestätigt: ab sofort seid ihr immun gegen Corona; ihr könnt nicht mehr daran erkranken

Was würdet ihr tun? Was von dem was jetzt nicht geht würdet ihr wieder tun? Worauf freut ihr euch am meisten? 

Vielleicht Freunde umarmen? Andere wieder mit Handschlag begrüßen? Viele Leute einladen, Besuche machen? 

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Mir ist diese Bild von der Immunität gegenüber Corona eingefallen, als ich die heutige Lesung aus dem Römerbrief gelesen habe. Paulus formuliert hier Sätze wie 

Das sollt ihr von euch denken: Für die Sünde seid ihr tot. … (Ihr seid) … ihr nicht mehr unterworfen. Die Sünde wird keine Macht mehr über euch haben.

Das gesamte Bild, das Paulus min Römerbrief entwickelt, ist auf den ersten Moment vielleicht etwas kompliziert. Sein Ausgangspunkt ist der der Tauf: In der Taufe, so Paulus wird unserer Schicksal, d.h. unsere Beziehung zu Gott und zur Welt ganz und gar mit dem Schicksal Jesu verbunden ist. 

In der Taufe sind wir „in Christus hinein“ getauft, wir sind in sein Schicksal hineingenommen. Das bezieht Paulus einerseits auf den Tod Jesu:  Am Karfreitag ist Jesus Christus am Kreuz gestorben. Durch unsere Taufe sind auch wir sind in seinen Tod mit hinein genommen, wir sind förmlich mit ihm gestorben. 

Auf einen Toten hat man keinen Zugriff mehr. Man kann keine Ansprüche gegen ihn erheben. Man kann vielleicht auf seinen Nachlass zugreifen; nicht aber auf ihn selbst. 

Das gilt auch für die Sünde, sagt Paulus: Ein Toter kann nicht mehr zum Opfer der Sünde werden. 

Wir sind mit mit Christus auch „für die Sünde gestorben“, sie hat keinen Zugriff mehr auf uns, sie kann uns nicht mehr zu Fall bringen. 

Christus ist aber nicht tot geblieben. Gott hat ihn auferweckt von den Toten – zu einem neuen Leben. Und zwar nicht zu einem „weiteren“ Leben wie bisher, sondern zum ewigen Leben, das Gott schenkt. Dieses neue Leben ist ganz und gar von Gott bestimmt; hier herrschen nicht Mangel, Leid und Tod – sondern es ist von Gottes Herrlichkeit bestimmt. 

Auch hier hat die Sünde keinen Zugriff mehr, weil diese neue Wirklichkeit ganz und gar von Gott bestimmt ist. 

Weil unser Schicksal durch die Taufe mit dem von Christus verbunden ist, sind auch wir hineingenommen in dieses neue Leben – wir sind mit Christus durch den Tod hindurch in Gottes neues Wirklichkeit hineingenommen – ja hineingerettet.

Und das verändert unser Leben schon jetzt: die Sünde hat keinen Macht mehr, sie hat uns nicht mehr in der Hand. 

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Ein großartiges Bild, einerseits. Aber auch irgendwie zu schön um wahr zu sein… Und deckt es sich mit dem, was wir tagtäglich erleben?

Ich denke, wir alle kennen viele Menschen, die getauft sind. Aber dass sie frei von Sünde wären, wage ich nicht zu behaupten; im Gegenteil. Einen dieser Menschen kenne ich besonders gut; ich sehe ihn jeden Morgen im Spiegel… 

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Dieser Umstand, dass man durch die Taufe nicht einfach automatisch zum Heiligen wird, ist auch dem Apostel Paulus nicht entgangen. 

Entsprechend spricht er nicht nur von dem neuen Leben, das uns durch unsere Taufe geschenkt ist; sondern er macht auch deutlich, dass wir auch ganz praktisch die richtigen Konsequenzen daraus ziehen müssen: 

Erinnert euch daran: 

Für die Sünde seid ihr tot.… Darum stellt auch die Glieder eures Körpers nicht in den Dienst der Sünde – sie sollen nicht Werkzeuge des Unrechts sein. Stellt euch vielmehr ganz Gott zur Verfügung.

Um nochmals das Bild vom Eingang zu verwenden: An dem Tag, an dem ich erfahre, dass ich gegen Corona immun bin, werden wieder Dinge möglich, die mir jetzt verwehrt sind. 

Ich muss aber auch die Konsequenz daraus ziehen und die Möglichkeit ergreifen. Ansonsten bleiben die neuen Möglichkeiten ungenutzt. 

So ist es auch mit der neuen Freiheit, die Gott uns schenkt: Es liegt aber an uns, diese Freiheit zu nutzen. 

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Nun ist das ganze aber immer noch ein wenig hypothetisch, und ich möchte heute versuchen, konkreter zu werden. 

Was heißt es, sich „für die Sünde als tot“ zu betrachten?

In der Theologiegeschichte sind die 7 sogenannte Todsünden beschrieben worden. Ich werde nicht auf das Konzept, das hinter dem Begriff der „Todsünde“ steht eingehen – ich nehme sie einfach als eine Auflistung von Dingen, die im Laufe der Theologiegeschichte als besonders gefährliche erachtet wurden – weil sie besonders geeignet sind, den Menschen zu Fall bringen. 

Dinge, die das Leben zerstören; die das Miteinander von Menschen schädigen; die ins Unheil führen.

Diese sieben Sünden heißen Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. 

Ich möchte jeweils ein Beispiel dafür bringen – und einen Gedanken, was es heißen kann, sich für diese Sünde als „gestorben“ zu erachten. 

1. Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut)

Und Hochmut kommt vor dem Fall, sagt das Sprichwort. 

Vor ein paar Tagen lief wieder der Oskar-Prämierte Film Django Unchained im Kino; und gegen Ende des Films gibt es die legendäre Szene, in der Mr. Candy, der Besitzer von Candyland, nach einem ziemlich übel erzwungenen Deal, von Dr. Schultz, den er gerade um 12.000 Dollar erleichtert hat, noch erwartet, dass dieser ihm zum Abschied die Handschüttelt. 

Er insistiert darauf, sagt Mr. Candy, und es ist klar, dass Dr. Schultz den Raum nicht lebend verlassen wird, wenn er nicht bereit ist, dem Wunsch zu entsprechen. 

Dr. Schultz geht darauf mit ausgestreckter Hand auf Mr. Candy zu, doch kurz bevor sich die Hände der beiden berühren, schüttelt Dr. Schulz einen Revolver aus dem Ärmel und erschießt Mr. Candy. Und wird natürlich wenige Sekunden darauf von anderen anwesenden Erschossen. 

Im Fall von Mr. Candy ist es der Hochmut, im Fall von Dr. Schlug der Stolz – und in beiden Fällen bezahlen sie mit ihrem Leben. 

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen: ich weiß, wie kostbar ich in Gottes Augen bin. So kostbar, dass Gott sich in Christus hat demütigen lassen, damit ich gerettet werde. Darum kann auch ich demütig sein – anstatt Hochmütig, Stolz, und Eitel.

2. Geiz (Habgier, Habsucht)

In Deutschland ist in den letzten Tagen ein großer fleischverarbeitender Betrieb in die Medien geraten, weil sich dort über 1000 Mitarbeiter*innen mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Bilder und Berichte der Medien legen nahe, dass der Erfolg dieses Unternehmens, in dem jede 5 deutsche Wurst und jedes 5. deutsche Schnitzel hergestellt werden, auch auf Kosten der Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern errungen wird. Und ich möchte nicht wissen, wie es den dort geschlachteten Tieren ergeht. Doch zu kritisieren ist nicht nur der, der für größtmögliche Profit die Würde von Mensch und Tier ignoriert. Sondern auch all jene, die beim Kauf der Wurst nur auf den Preis schauen – aber lieber wegschauen, wenn es um die Frage geht, wie die Wurst gemacht wurde.

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen: ich habe erfahren, dass Gott gütig, barmherzig und großzügig ist; aber auch gerecht. Darum will ich genauso an meinen Mitmenschen handeln. Denn ich vertraue darauf: Gott lässt mich in seiner Gnade nicht im Stich 

3. Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit)

In den letzten Tagen wird wieder vermehrt über ein schönes Urlaubsvideos aus Ibiza berichtet, das vor einem Jahr die österreichische Politik ordentlich auf den Kopf gestellt hat. Es ist wohl wahr, dass man den beiden Hauptakteuren auf gewinkelte Weise eine Falle gestellt hat; man hat sie verlockt, mit einer „scharfen“ Oligarchennichte, mit der Aussicht auf Geld und Macht, und möglicherweise haben auch noch andere Substanzen eine Rolle gespielt. Doch letztlich war es nicht einfach nur eine „bsoffene Gschicht“, sondern es waren die eigenen Begehrlichkeiten und die Bereitschaft zu Ausschweifungen, die die beiden Herrn zu Fall gebracht haben. 

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen: Gott hat uns viele schöne Dinge geschenkt, an denen ich mich in meinem Leben erfreuen kann. Für manches davon braucht es aber Maß und Ziel, und von manchem hält man sich besser vollkommen fern. Weil ich mich fest verwurzelt weiß in der Liebe Gottes, sage ich zu manchem, was sich mir anbietet ohne jede Reue ganz einfach Nein. 

4. Zorn (Jähzorn, Wut, Rachsucht)

Die Auflistung des Zorns bei den Todsünden halte ich für besonders interessant. Denn wer in der Bibel liest, findet stellen, in denen sogar vom Zorn Gottes die Rede ist. Zorn ist zunächst einmal ein Impuls, eine Emotion. Hinter der Emotion Zorn steckt oft genug noch etwas anderes, nämlich so etwas wie Leidenschaft, oder gar Liebe. Menschen, die mir gleichgültig sind, schaffen es selten, mich zornig zu machen; meine Kinder dagegen schaffen das sehr oft. So ist es auch in der Bibel, dass der Zorn Gottes letztlich ein Ausdruck seiner Leidenschaft und Liebe ist. 

Allerdings berichtet auch die Bibel davon, dass Gott immer wieder seinen Zorn überwindet, und sich durchringt, gnädig zu sein, barmherzig und treu. Denn Gott – so legt es manche Geschichte der Bibel nahe – erkennt, dass der Zorn und die damit verbundene Gewalt nichts verändert. Weshalb sich Gott durchringt, uns durch Gnade zu verändern, und nicht durch Strafe.  

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen: den in mir aufkeimenden Zorn wahrnehmen, ernst nehmen, was dahinter steht – und doch einen Schritt zurückzutreten und sich bewusst zu machen: Gottes Antwort auf all den Scheiß, den auch ich als Mensch so baue, war, dass er Mensch wurde und für mich starb. In seiner Liebe will ich mich bergen, bis mein Zorn verfolgen ist – und dann will ich versuchen, ebenso gnädig zu sein, wie Gott es mir gegenüber ist. 

5. Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht)

Ich denke bei diesen Begriffen weniger an die schlaflose Nacht nach einer Grillparty, bei der ich Zuviel gegessen habe. Sondern ich denke eher die Grundhaltung unserer kapitalistischen Welt. Es scheint, als wären wir zwingend der Notwendigkeit des Wachstums ausgeliefert; und wir erleben ja gerade was es heißt, wenn die Wirtschaft stillsteht oder gar schrumpf: Arbeitsplätze gehen verloren, mit – für einzelne – ganz und gar dramatischen Folgen. Doch hat dieses permanente Wachstum für uns alle zur Konsequenz, dass wir in rasantem Tempo unser Lebenshaus, die Erde, ausbeuten und zerstören; und für unsere Enkel geht sich ein gutes Leben wohl eher nicht mehr aus. 

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen, mich daran zu erinnern: der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes kommt. Ich darf in dieser Welt satt und glücklich werden – aber darüber hinaus gibt es etwas, das meinen Lebenshunger stillen kann, und zwar ganz ohne eine Ausbeutung der Welt: es ist die Gemeinschaft mit Gott, die meinen Hunger nach Liebe stillt und mein vor Sehnsucht aufgewühltes Herz beruhigt. 

6. Neid (Eifersucht, Missgunst)

Schon in der zweiten Menschheitsgeneration – so erzählt es die Bibel, kam ein Mensch durch Neid zu Fall. Kain musste mit ansehen, dass Gott das Opfer seines Bruders Abel mit wohlwollen ansieht. Sein eigenes Opfer bleibt dagegen unbeachtet. Woran Kain das feststellen kann, erzählt die Bibel nicht. Doch die Folgen seiner Eifersucht sind fatal: er erschlägt den Bruder, und lebt in Folge in der Fremde, leidend unter der eigenen Schuld. 

Neid, Eifersucht und Missgunst sind etwas fatales. Denn sie nagen an der Seele, und ein Mensch, der davon betroffen ist, ist tatsächlich nicht frei. Doch sollten wir auch nicht übersehen, dass Gott auch dem Kain nachgeht – vor wie nach dem Brudermord. Der Eindruck Kains, Gott interessiere sich nicht für ihn, ist schlichtweg falsch. 

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall heißen, sich daran vor Augen zu halten: aber Gott bin ich gewiss nicht egal. Seine Liebe gilt mir, sie hält mich, und mit Gottes Liebe halte ich den üblen, bösen Gedanken stand. 

7. Als letzter Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Überdruss, Trägheit des Herzens)  

Gemeint nicht, mal nach einem harten Tag durchschnaufen zu dürfen. Sonder gemeint ist wohl eher eine Gleichgültigkeit, in der ich gegenüber dem Leid und Elend anderer abstumpfe. Als sich im Jahr 2015 tausende Menschen aus Flüchtlingslagern auf den Weg nach Europa gemacht haben, dann war nicht der Grund dafür, dass grade das Wetter so schön und die Schlepper-Preise so niedrig waren. Der Grund war, dass die reicheren Länder der Welt ihre Zahlungen an den UNHCR über Jahre hinweg gekürzt haben und es in den Flüchtlingslagern einfach nicht mehr genug zu essen gab. 

Heute sind 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Jeder 100ste Menschen. Doppelt so viele wie vor 10 Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch die Ignoranz der Wohlhabenden gegenüber dieser Not ist offensichtlich. Aus Kroatien hört man, dass Flüchtlinge, die die Grenze von Serbien oder Bosnien überqueren wollen, von der Polizei verprügelt werden. Der kolportierte Grund: die Kroaten wollen der EU beweisen, dass sie in der Lage sind, ihre Grenze zu verteidigen; so hoffen sie auf eine schnellere Aufnahme der EU. Faulheit, Feigheit, Ignoranz, Trägheit mag als eher harmlose „Sünde“ erscheinen – doch womöglich richtet sie den größten Schaden von allen.  

Sich als für die „Sünde tot“ zu erachten kann in diesem Fall nur heißen, sich im Herzen berühren, betreffen zu lassen – auch wenn es weh tut. Doch wie sehr muss es Gott im Herzen gebrannt haben, „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Und darum muss der Betroffenheit auch ein Handlung folgen – ganz im Sinne von Ulrich Zwingli, der sagte: lasst uns um Gottes Willen etwas tapferes tun. 

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Soweit meine Gedanken zu diesen 7 sogenannten Todsünden. Ihr habt gemerkt: es geht mir bei der Betrachtung von Sünde nicht darum zu sagen: da ist etwas, was ich nicht darf. 

Sondern es ist einfach so: hier sind Dinge, die bringen den Menschen zu Fall. Die zerstören Leben, Gemeinschaft, ja die ganze Welt. 

Wir wissen, wie schädlich diese Dinge sind; und doch fühlen wir uns der Sünde gegenüber oft so machtlos – was kann ich schon machen?; oder „es ist doch mein gutes Recht…“. 

Die Sünde nimmt uns Gefangen, so sagt Paulus sehr treffend. Und doch spricht er uns zu: wir sind der Sünde nicht mehr heillos ausgeliefert. 

Mit Christus sind wir für die Sünde gestorben. Die Sünde hat uns nicht mehr in der Hand. Wir müssen das allerdings auch mit Leben füllen. Daran glauben. Danach handeln. 

Also packen wir den Stier bei den Hören; und geben unserem Glauben konkrete Gestalt.

Die Kraft dazu muss nicht aus uns selbst kommen. Die Kraft dazu gibt uns der, der uns das neue Leben schenkt! 

Gepriesen sei Gott, der uns dieses neue Leben schenkt! 

Amen  

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Image by Myriam Zilles from Pixabay